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Titel: Der Zipferlake Beitrag von: BrunoBraunbart am 28.02.2005, 18:13:52 Ich möchte alle MultiMediageschädigten Internet-Junkies eine musische Abwechslung bieten und stelle deshalb den folgenden literarisch hochwertigen Unsinn von Lewis Carroll ins Forum.
Auszug aus 'Lewis Carroll - Alice hinter den Spiegeln': Nicht weit von Alice lag ein Buch auf dem Tisch, und wärend sie so dasaß und auf den Weißen König achtgab (denn sie war seinetwegen noch immer etwas besorgt und hielt die Tinte griffberei für den Fall, daß er wieder ohnmächtig würde), blätterte sie darin um etwas zu finden, was sie lesen konnte. [...] Und da las sie das folgende Gedicht: Der Zipferlake Verdaustig wars, und glasse Wieben Rotterten gorkicht im Gemank; Gar elump war der Pluckerwank, Und die gabben Schweisel frieben. "Hab acht vorm Zipferlak, mein Kind! Sein Maul ist beiß, dein Griff ist bohr! Vorm Fliegelflagel sieh dich vor, Dem mampfen Schnatterrind" Er zückt' sein scharfgebifftes Schwert, Den Feind zu futzen ohne Saum, Und lehnt' sich an den Dudelbaum Und stand da lang in sich gekehrt, In sich gekeimt, so stand er hier; Da kam verschnoff der Zipferlak Mit Flammenlefze angewackt Und gurgt' in seiner Gier. Mit eins! und zwei! und bis aufs Bein! Die biffe Klinge ritscheropf! Trennt er vom Hals den toten Kopf, Und wichernd sprengt er heim. "Vom Zipferlak hast uns befreit? Komm an mein Herz, aromer Sohn! O blumer Tag! O schlusse Fron!" So kröpfte er vor Freud. Verdaustig wars, und glasse Wieben Rotterten gorkicht im Gemank; Gar elump war der Pluckerwank, Und die gabben Schweisel frieben. "Es klingt recht hübsch" sagte sie als sie damit zu Ende war, "nur ist es leider etwas schwer verständlich!" -Glücklicherweise liefert L. Carroll einige Seiten später eine Erklärung des Gedichtes nach.- "Sie sind doch so geschickt darin, Wörter zu erklären, Herr Goggelmoggel" sagte Alice. "Können sie mir da freundlicherweise sagen, was das Gedicht 'Der Zipferlake' bedeutet?" "Nur heraus damit" sagte Goggelmoggel. "Ich kann alle Gedichte erklären, die jemals erdacht worden sind - und außerdem noch eine ganze Menge, bei denen das Erdenken erst noch kommt." Das klang recht vielversprechend, und Alice sagte also die erste Strophe auf: Verdaustig wars, und glasse Wieben Rotterten gorkicht im Gemank; Gar elump war der Pluckerwank, Und die gabben Schweisel frieben. "Das reicht fürs erste", unterbrach sie Goggelmoggel; "da kommen schon recht viele schwere Wörter vor. 'Verdaustig' heißt vier Uhr nachmittags - wenn man nämlich 'verdaut', aber doch schon wieder 'durstig' ist" "Das paßt sehr gut" sagte Alice; "und 'glaß'?" "Nun, 'glaß' heißt 'glatt und naß'. Das ist wie eine Schachtel verstehst du; zwei Bedeutungen werden dabei zu einem Wort zusammengesteckt." "Jetzt versteh ichs schon" sagte Alice nachdenklich. "Und was sind 'Wieben'?" "Also, 'Wieben' sind sowas Ähnliches wie Dachse - und wie Eidechsen - und sowas ähnliches wie Korkenzieher." "Das müssen aber sehr merkwürdige Geschöpfe sein." "Das wohl", sagte Goggelmoggel; "sie bauen außerdem ihre Nester unter Sonnenuhren - und außerdem fressen sie nur Käse." "Und was ist 'rottern' und 'gorkicht'?" "'Rottern' ist das gleiche wie 'rotieren', das heißt sich schnell drehen. 'Gorkicht' heißt alles, was sich in Kork einbohrt." "Und ein 'Gemank' ist dann wohl der freie Platz um eine Sonnenuhr von der Art, wie sie oft in einem Park stehen?" fragte Alice, über ihre eigene Scharfsinnigkeit verwundert. "Freilich. Dieser Platz heißt ein 'Gemank' denn 'man' kann rechts darum herum'gehen', 'man' kann links darum herum'gehen'" "Aber darunterweg kann 'man' keineswegs", schloß Alice. "Genau das. Nun also: 'elump heißt 'elend und zerlumpt' (schon wieder ein Schachtelwort, wie du siehst). Ein 'Pluckerwank' ist ein magerer, unansehnlicher Vogel, bei dem die Federn kreuz und quer durcheinanderwachsen - er sieht etwa aus sie ein lebendiger Mop." "Und die 'gabben Schweisel'?" fragte Alice; "wenn es Ihnen nicht zuviel wird." "Nun, ein 'Schweisel' ist eine Art grünes Schwein; aber bei 'gabben' bin ich nicht ganz sicher. Ich glaube aber, es ist abgekürzt und heißt 'vom Wege ab' - soviel wie 'verirrt', verstehst du?" "Und was heißt 'sie frieben'?" "Nun 'freiben' ist ein Mittelding aus Bellen und Niesen, begleitet von Gepfeif; vielleicht hörst du einmal, wie etwas freibt - dort drüben im Wald etwa - und dann fragst du bestimmt nicht weiter. Wer hat dir denn das ganze schwere Zeug beigebracht?" "Es hat in einem Buch gestanden", sagte Alice ... Ich hoffe es hat gefallen, BB2 Titel: Gedichte für rennmaus Beitrag von: Aldibrot am 01.03.2005, 12:45:22 Echt klasse der Zipferlake, Bruno! :D
Und mit einem besonderen Gruß für die renn-/Bau-/Telefon-/Koch-/...?.../ maus ;D hab ich mal wie versprochen auch noch ein Gedicht rausgekramt: Gruselett Der Flügelflagel gaustert durchs Wiruwaruwolz, die rote Fingur plaustert und grausig gutzt der Golz. (Christian Morgenstern, Galgenlieder) Ganz lustig, aber leider nicht so schön phonetisch fand ich auch: Die unmögliche Tatsache Palmström, etwas schon an Jahren, wird an einer Straßenbeuge und von einem Kraftfahrzeuge überfahren. "Wie war" (spricht er, sich erhebend und entschlossen weiterlebend) "möglich, wie dies Unglück, ja- : daß es überhaupt geschah? "Ist die Staatskunst anzuklagen in Bezug auf Kraftfahrwagen? Gab die Polizeivorschrift hier dem Fahrer freie Trift? "Oder war vielmehr verboten, hier Lebendige zu Toten umzuwandeln, -kurz und schlicht: Durfte hier der Kutscher nicht-?" Eingehüllt in feuchte Tücher, prüft er die Gesetzesbücher und ist alsobald im Klaren: Wagen durften dort nicht fahren! Und er kommt zu dem Ergebnis: Nur ein Traum war das Erlebnis. Weil, so schliesst er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf. (Christian Morgenstern, Galgenlieder) So, und zum Schluß dann noch etwas nettes von Rilke; hast doch nichts gegen Katzen, rennmaus? ;) Schwarze Katze Ein Gespenst ist noch wie eine Stelle, dran dein Blick mit einem Klange stößt; aber da, an diesem schwarzen Felle wird dein stärkstes Schauen aufgelöst: wie ein Tobender, wenn er in vollster Raserei ins Schwarze stampft, jählings am benehmenden Gepolster einer Zelle aufhört und verdampft. Alle Blicke, die sie jemals trafen, scheint sie also an sich zu verhehlen, um darüber drohend und verdrossen zuzuschauern und damit zu schlafen. Doch auf einmal kehrt sie, wie geweckt, ihr Gesicht und mitten in das deine: und da triffst du deinen Blick im geelen Amber ihrer runden Augensteine unerwartet wieder: eingeschlossen wie ein ausgestorbenes Insekt. (Rilke: Der neuen Gedichte anderer Teil) So, hoffe mal, dir hat was davon gefallen, rennmaus! Aber vielleicht hat Bruno ja auch noch was nettes für uns?? *bettel* *hoff* ;) Das rumMüllende Aldibrot P.S.: (http://www.blubb.at/lkiun/pix/echse.gif) :-[ Also politisch korrekt heißt das ja immer noch: Dumm wie ALDIBROT ;D Titel: Re: Der Zipferlake Beitrag von: JolandaRingelblume am 09.03.2005, 03:17:00 Wenn das hier schon zu einem Poesie-Thread "verkommt" ;D, dann wiell ich auch eins zum besten geben:
Nun der Tag mich müd gemacht soll mein sehnliches Verlangen freundlich die gestirnte Nacht wie ein müdes Kind empfangen. Hände lasst von allen Tun Stirm vergiss Du alles Denken alle meine Sinne nun wollen sich in Schlummer senken. Und die Seele unbewacht will in freien Flügen schweben um im Zauberkreis der Nacht tief und tausendfach zu leben. ist vom hermann hesse und soooooooooooo schön :) das dichtender gartenschmuck |