gruenvonschlecht
Zaubermeister
    
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« Antworten #3 am: 28.10.2008, 08:59:55 » |
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Huhu Ihr Lieben,
da ich ja nun schon mehrfach angesprochen wurde, wie denn der Urlaub war, hier nun ein Sammelbericht:
Obwohl mein Venedig-Bild geprägt war von den exilvenezianischen Eisdielenbesitzern, die sich durch reichlich Arroganz auszeichneten, den unsäglichen Brunetti-Romanen, die auch auf englisch kaum mehr zu bieten haben als Hohlität und meinem über Jahre hinaus Lieblingshorrorfilm "Wenn die Gondeln Trauer tragen", wollte ich ja unbedingt da mal hin, keine Ahnung, weswegen *s*.
Die Ankunft war schon etwas erschreckend als kühles sachliches Nordlicht: Unter strahleblauem Himmel dümpelten weiße Segelboote (okay, das ist schon mal was, was ich persönlich richtig toll finde)(aber nu kommts:) auf kitschig-postkarten-türkiser Lagune vor einer Stadt, die reichlich rosa wirkte.... uah. Erster Eindruck: bin in Disneyland oder irgendsonem Schrotthotel in Vegas *fg*.
Das rosa hat sich aber später relativiert, es gibt da auch weiße, rote und gelbe Häuser, zumindest zur Wasserseite, und in den Gassen mein heißgeliebtes steingrau *fg*. Vom Nebel weit und breit keine Spur, obwohl das ja immer überall propagiert wird. Einen Tag hatten wir Nieselregen, ansonsten nur Sonnenschein und leicht über 20 Grad.
Eigentlich dachten wir ja, wir hätten mit einem Apartment in Cannaregio großzügig die Touristenregion um San Marco vermieden. Okay, war weit weg von San Marco, das war aber auch alles. Die engen Gassen vor Ort waren mindestens genauso voll *ggg*.
Mittlerweile ist man so verkitscht worden, dass man die Haufen Maskengeschäfte am ersten Tag mit Gruseln umgangen ist (was ziemlich schwierig ist, denn ungefähr jedes 2. Geschäft verkauft Masken), haben wir doch zum Schluss angefangen, die Teile uns etwas genauer anzusehen, zumindest in den Läden, die selbst produzieren bzw. die Masken, die sich durch Originalität von den China-Massenwaren abhoben.
Auch war für mich Muranoglas der Inbegriff von Staubfänger und kitschigen Farben, allerdings muss ich auch das revidieren. Sicherlich sind diese tüteligen Kronleuchter in allen Bonbonfarben das, was man kennt. Aber es gibt tatsächlich auch schöne Sachen *fg*.
Unser Apartment lag zwei Straßen vom Hauptverkehrsweg Bahnhof-Rialto entfernt, total ruhig am Canale di Cannaregio bei wirklich netten betulichen älteren Vermietern. Ein sehr geräumiges Einraumapartment zu relativ günstigem Preis. Kochen ist eine Sache, die muss man da schon ab und zu mal selbst machen zur Entlastung der Reisekasse, denn 1. ist es schon mal reichlich teuer da essen zu gehen, 2. kann man leicht Gefahr laufen in einen absoluten Touristenbumms zu geraten, sprich minderwertiges Essen zu überhöhten Preisen. Den Kaffee am Markusplatz für 30 Euro haben wir uns auch gespart *fg*. Haben dann zwei Straßen weiter lieber Cappuccino, Kakao und Cola für insgesamt 6,50 zu uns genommen *s*.
Den Kindern muss es auch gut gefallen haben, ich geh mal davon aus, weil die wirklich erst am letzten Tag abends so was wie Quengeln von sich gegeben haben. Sonst sind sie eher ruhig mitgetrottet bei dem, was ich vorgeschlagen habe. Wahrscheinlich waren sie auch von den Eindrücken reichlich erschlagen.
Wider Erwarten war der Urlaub unglaublich erholsam. Nicht nur, dass es reichlich ruhig war, erstaunlich bei den Menschenmassen, auch der fehlende Autoverkehr und Baulärm waren richtig toll. Nachts war es sooooooo ruhig, dass wir alle drei so was von tief geschlafen haben.
Den Mönckebergstraßeneinkaufschritt haben wir auch sehr schnell ablegen müssen, geht einfach nicht in den engen Gassen *s*, sondern der gemütliche Schlenderschritt hat sich ganz schnell übertragen (den ersten Tag wieder zu Hause hätte man mir beim Laufen durch den Supermarkt die Schuhe besohlen können *ggg*).
Waren die Füße wund (was auch recht schnell passiert) sind wir Bötli gefahren, was auch nicht gerade Hochgeschwindigkeit ist. Der Vaporetto braucht vom Bahnhof bis San Marco schlappe 40 Minuten.... Zu Fuß kann man das schneller schaffen *fg*. Glücklicherweise haben wir auch immer einen Außensitzplatz am Bug ergattern können, so dass wir herrlich die Häuserfassaden genießen konnten. Wir haben gleich ein Dreitageticket gelöst, weil auch die Vaporettopreise horrend sind (6,50 pro Person für eine Stunde, kein Nachlass für Kinder). Deswegen sind wir wohl so an die 6 mal den Canal Grande runtergeschippert zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten und jedes Mal hat man was anderes entdeckt.
Bis auf ein paar obligatorische Programmpunkte, die man abgehakt haben muss, sind wir oft auch nur so drauflos geschlendert und haben geguckt. Einfach durch die Gässlein treiben lassen. Und dabei die witzigsten Läden entdeckt. Einen wirklichen Kaufrausch haben wir nur in einer Druckerei bekommen, die total versteckt an einer kleinen Piazetta in San Polo lag.... die druckten noch mit ganz alten Handpressen auf schönem Papier. Und dazu waren sie mal gerade unwesentlich teurer als die Massenproduktionsvertreiber an den Hauptverkehrswegen.
Alles in allem war es wirklich toll, viele viele viele Eindrücke, unter uns dreien die totale Harmonie ausgebrochen... Kann man schon so sagen, wenn die zwei sich nur noch 1-2 mal pro Tag kabbelten *fg*. Und ich bin so entspannt wie schon lange nicht mehr. War wohl mal dringendst nötig *s*.
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