MZ vom 11. November 2002
Vierlagige Krawallbrause [/i]
So redet man heute - laut Wörterbuch für JugendspracheDer durchaus cholesterinbewusste Mensch über dreißig hat häufig berechtigte Vorbehalte gegenüber einem Essen, das fett ist. Der sprach bewusste Jugendliche hingegen würdigt ein gutes Mahl als voll fett. Aber Vorsicht: Fett" kann auch Musik, eine Party oder sonst irgendwas sein. Was allgemein mit sehr gut" übersetzt werden kann, ist nur ein Beispiel von vielen im Wörterbuch für Jugendsprache" von Pons. Es widmet sich auf 33 Seiten dem Phänomen, dass Jugendliche einfach anders sprechen als Erwachsene.
Zugegeben: Hammerhart, krass und Warmduscher hielten bereits Einzug in den Wortschatz von Familienvätern oder Hausfrauen, doch die Bandbreite der jugendlichen Rhetorik ist noch viel größer.
Wer unterm Arm schwitzt, hat Achselterror. Ein dummer Mensch ist ein Honk, eine Flachzange oder ein Nullpeiler bzw. besitzt die Eigenschaften didihaft, hänge oder verpeilt. Wer eine attraktive Frau zur Eile antreiben will, sagt schlicht Mach' Banane, Barbie!". Subjektiv als unattraktiv empfundene Frauen heißen schnell Bratze, Grusel-Ute, Hässlette. Das finden Mutti und Vati sicher seltsam, der Sohnemann würde es berstig nennen. Im Vorwort heißt es: Jugendliche streben im Bemühen nach einer eigenen Identität nach Abgrenzung. Sie erschaffen eine ihnen eigene Sprache. Für Erwachsene ist dieser Code oft undurchschaubar, sie schwanken zwischen Belustigung und Irritation." Noch ein Beispiel? Wer mit seinem Freund ein sehr gutes Bier trinkt, kann auch sagen, dass er mit seinem Pello eine vierlagige Krawallbrause einbaut. Als enthusiastische Ausrufe in dieser Situation bieten sich wahlweise an: Krass-konkret! Korrega! Kravolta!
Als Komposti, sprich Nicht-mehr-Jugendlicher, kann man sich nur zum Horst - also lächerlich - machen, wenn man da mithalten will. Wem das dennoch Latte (egal) ist, bei dem geht das in Ordnung, also knäcke.
(c) Wolfgang Attermeyer
