Eine wichtige Phase im Leben des Neugeborenen ist die Phase der Einkleidung und damit meine ich nicht nur die Einkleidung des frisch gebackenen und trotzdem blau anlaufenden Nachwuchses, sondern ich denke vor allem an die frisch gebackenen und sich trotzdem blau ansaufenden Eltern, die von nun an nur noch Freizeitkleidung tragen, ganz so als bräuchten sie nach der schweren Schwangerschaft erst mal drei Jahre Urlaub auf dem Balkon...
Der Vater schnürt sich mit Vorliebe eine Nylon-Asi-Buxe Modell Sport unter den noch schwangeren Bauch, während die Mutter vorzugsweise eine Sorte Hosenanzug aus Rippstopp trägt, dessen Farbe irgendwo auf dem langen Weg von pastellrosa nach grau verloren gegangen ist und der merkwürdigerweise dem Strampler des Babys zum Verwechseln ähnlich sieht. Ein Beweis dafür, daß auch niedere Lebensformen eine Form von Solidarität kennen...
Während die Kleiderfrage noch leicht zu durchschauen ist, stellt das Verhalten der noch jungen Familie eine Herausforderung für jeden Soziologen dar. Vielleicht hätten so erfahrene Beobachter wie Prof. Grczimek (wie, zur Hölle, schreibt man den???), Heinz Sielmann oder Jean-Jaques Cousteau eine Antwort auf die Frage geben können, warum sich die junge Familie so verhält wie sie sich verhält. Doch da die drei Größen abgetreten sind, müssen wir diese Frage wohl selbst klären...
Im allgemeinen überwiegt die These, daß Eltern sich auf das Neugeborene einstellen und dessen Handlungsweise wie auch das Sprachverhalten kopieren. Häufiges Blubbern und Wiehern ist in diesem Zusammenhang völlig normal und nicht weiter ernst zu nehmen. Ich selbst allerdings bin eher ein Verfechter der existenzialistischen Sichtweise (das Kind ist bei seiner Geburt nur ein schreiendes Stück Fleisch, das nur dadurch zum Individuum wird, indem es von seiner Umwelt lernt)...
Das Kind würde von selbst nie blubbern, lallen oder wiehern und könnte in der Zeit etwas viel sinnvolleres tun, wenn die Eltern es nicht vormachten (und das Kind damit zwingen würden, sich auf ihr Niveau hinabzulassen). Ich bin davon überzeugt, daß man Kinder schon 5 Jahre früher einschulen könnte, wenn man diese kritische Phase einfach überspringen würde. Ja, ich hatte sogar ein enormes Forschungsexperiment eingeleitet...
Einen Freilandversuch sozusagen, bei dem in sämtlichen Kreißsälen bundesweit über Lautsprecher eine Abhandlung zu Kants "Kritik der reinen Vernunft" vorgespielt werden sollte. Nach drei Tagen sollten die Kinder im Rahmen eines ganz normalen und standardisierten Philosophie-Kolloquium getestet werden, um ihnen so den frühzeitigen Einstieg in die akademische Laufbahn zu ermöglichen...
Ja, die Konkurrenz auf dem europäischen Arbeitsmarkt ist groß und die Schulabgänger bei uns sind zu alt, aber sollte diese Methode Schule machen, dann kann sich die deutsche Jugend noch vor der ersten Zahnspange als Betriebsmanager und Sicherheitsingenieur bewerben...
Leider scheiterte das Experiment schon in der Vorbereitungsphase an den Eltern. Denn die mußten alle einzeln in einem persönlichen Gespräch über das Experiment aufgeklärt und um Erlaubnis gefragt werden. Wie soll man sich jedoch ernsthaft mit Menschen, die mit 28 Jahren noch wiehern, lallen und blubbern und noch Strampler tragen, in denen sie aussehen wie hundert Kilo Wurst, über Vernunft unterhalten...
