Ein netter Artikel, ursprünglich von
MensHealth.de (die ich
nicht lese - bin bei GMX drübergestolpert*gg)
Wie werde ich so alt wie ein Japaner?Wir entdeckten für Sie die fünf Geheimnisse des ewigen Lebens aus dem Land der aufgehenden SonneKein Volk auf der Welt wird älter. Allein 23.038 Japaner sind heute 100 Jahre oder älter. Redakteur Jan Spielhagen Lebenserwartung: 76 Jahre versuchte Antworten auf die folgenden Fragen zu finden.
Warum werden ausgerechnet die Japaner so alt? Wieso nicht die Franzosen oder die Mexikaner? Wegen ihrer Gene? Weil sie kleiner sind? Weil sie Sumoringen spannender finden als Fußball? Oder sind es ihre Lebensgewohnheiten? Einige Kleinigkeiten, die sich am Ende auf Jahre addieren lassen? Wir wollen die Antworten und fliegen hin. Nach Tokio. Um die Menschen zu fragen. Möglichst viele. Wo ginge das besser als in der U-Bahn? Mit drei Millionen Fahrgästen täglich.
Geheimnis 1: SicherheitTokio hat das modernste, verrückteste und überfüllteste U-Bahn-System der Welt aber auch das sicherste.»Herausstehende Nägel werden eingeschlagen« (japanisches Sprichwort) U-Bahn fahren in Tokio geht so: Sie stellen sich vor einen Fahrscheinautomaten und versuchen gar nicht erst, lateinische Buchstaben zu finden. Drücken Sie wahllos einen Knopf und bezahlen Sie den angezeigten Betrag. Sie werden nicht mehr berappen müssen als umgerechnet 1,50 Euro. Nehmen Sie das Ticket und stecken Sie es in den Schlitz an der Schranke zum Bahnsteig. Sie wird sich öffnen, auf der anderen Seite kommt ihr Ticket wieder raus. Nehmen Sie es mit.
Willkommen im verrücktesten, modernsten, vollsten, spektakulärsten U-Bahn-System der Welt! Schnell werden Sie für zwei Dinge dankbar sein. Erstens, dass Sie größer sind als der Rest der Menschen dort das garantiert nämlich den Überblick im Gewirr Hunderttausender, die jeden Neuankömmling mit sich reißen und deren schwarze Häupter wie ein zu Leben erwachter Flokati dahinwabern. Und zweitens, dass Tokio kaum Kriminalität kennt.
In keiner anderen Stadt würden Sie sich in diesem Gedränge wohl fühlen. Sie hätten keine Muße, während Sie Hosen- und Jackentaschen, Kamera und Pass bewachen. Doch Angst ist hier unbegründet. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie hier mit einem zweiten Mobiltelefon in der Hosentasche aus der Bahn steigen, weil im Gedränge jemand Ihre Tasche mit der seinen verwechselt hat, ist größer, als dass bei Ihnen auch nur der Fahrschein fehlt. Wie weit dieses Vertrauen geht, sehen Sie am deutlichsten an den Japanern selbst. Die Menschen steigen in die Bahn und schlafen ein. Alle. Immer. Die Tokioter U-Bahn ist das größte Schlafzimmer der Welt.
Kindergartenkinder von fünf Jahren fahren alleine U-Bahn und junge Mädchen mitten in der Nacht. Niemand muss Angst haben vor Überfällen, Hooligans, Päderasten. Tokio benimmt sich.
Feste Regeln: Es gibt ein Sprichwort, das die japanische Gesellschaft gut beschreibt: Herausstehende Nägel werden eingeschlagen. Japaner halten sich viel stärker an Regeln als wir Europäer, um nicht aus der Gruppe hervorzustechen. Und sie gehören gleich zu mehreren Gruppen: zu einer Familie, zu einer Schule, zu einem Dorf, zur Abteilung in der Firma, zu den Jungen oder den Alten. In jeder Gruppe gibts Regeln, und fast keiner verstößt gegen sie. Weil er sonst nämlich eben jener Nagel wäre, der heraussteht.
Das kommt uns Europäern merkwürdig uniform vor, hat aber zählbare Vorteile. Tötungsdelikte etwa gab es im Jahr 2003 in Japan nur 1452, in Deutschland waren es 2541 obwohl es mit fast 128 Millionen rund ein Drittel mehr Japaner gibt als Deutsche. Weniger Verkehrstote, weniger Unfälle, weniger Obdachlose, weniger Schlägereien nüchterne Fakten, die sich jedoch positiv auf die Lebenserwartung auswirken. Wer sicher lebt, lebt länger. 2070 Brandstiftungen dort stehen 30 308 bei uns gegenüber, 7664 Raubdelikten in Japan 59 782 hier zu Lande.
Wenn Sie an Ihrem Zielbahnhof ankommen, müssen Sie das Ticket an der Schranke wieder in den Schlitz schieben. Rechnen Sie aber nicht damit, dass die Schranke aufgeht. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie das richtige Ticket gekauft haben, ist bei 266 Bahnhöfen äußerst gering. Darüber hinaus haben Sie, wenn Sie einmal umsteigen mussten, mit Sicherheit die Zuggesellschaft gewechselt, es gibt nämlich zwei in Tokio. Rammen Sie Ihr Bein gegen die Schranke es bedarf nicht viel Kraft, um den Panik-Mechanismus auszulösen. Dann geht die Schranke auf.
Geheimnis 2: SpiritualitätDas tut gut: Tokios ranghöchster buddhistischer Mönch rät zur Konzentration auf sich selbst.»Wenn der Geist gerade sitzt, dann sitzt auch der Körper gerade« (buddhistische Weisheit) Die Menschen verneigen sich, wenn sie Kosho Shimizudani begegnen. Er ist Tokios ranghöchster buddhistischer Mönch, und man trifft ihn normalerweise auf dem Gelände des Senso-ji-Tempels im alten Stadtteil Asakusa, dem heiligsten Ort in der japanischen Hauptstadt.
Heute sind viele Schulklassen hier. Die Kinder laufen zum Joukoro, dem Weihrauchbrenner, einer Art Riesenkessel. Sie fächeln sich den Rauch zu, der Gesundheit verspricht. Shimizudani geht zu den Kindern. Er trägt einen schwarzen Kimono, eine Seidenschärpe, in der Hand streichelt er den Juzu, den Rosenkranz der Buddhisten. Wir halten ihn auf: Dürfen wir ein Foto von Ihnen machen? Warum? Wir kommen aus Deutschland und recherchieren, wieso die Japaner so alt werden. Eine alte Frau im Tempel erzählte uns, Sie seien schon sehr lange hier und sehr alt Ich bin 93 Jahre Wie wird man so alt? Konzentrieren Sie sich und hören Sie genau hin! Ja, gern. Pause. Aber Sie sagen ja gar nichts! Sie sollen nicht mir zuhören, sondern sich selbst. Konzentrieren Sie sich auf sich selbst. Das tut Ihrem Leben gut. Shimizudani lächelt, lässt sich fotografieren, dann geht er zu den Kindern.
Geheimnis 3: FischFisch ist neben Reis Japans Nahrungmittel Nummer eins und offenbar ein Grundstein für ein langes Leben.»Ein Japaner verzehrt jährlich etwa 66,3 Kilo Fisch und Meeresfrüchte, ein Deutscher nur 14,9 Kilo« Fünf Uhr früh, auf dem Tokioter Fischmarkt Tsjukiji beginnt die Tunfischversteigerung. In drei Hallen und langen Reihen liegen fangfrische Fische da, jeder 25 bis 350 Kilo schwer, mehr als 300 Tonnen, silbern glänzend, den Bauch aufgeschnitten, ausgenommen, die Schwanzflosse im Maul. Rote und gelbe Schriftzeichen auf ihren Leibern verraten Herkunft und Gewicht. Der Auktionator ruft sie im schrillen Singsang auf, nach dem Zuschlag ertönt eine Glocke. Zuvor hatten die Händler Zeit, die Qualität der Tunfische zu prüfen.
Nach 1 Stunde ist alles vorbei. Hunderte Fische sind verkauft, die letzten werden gerade verladen. Die Händler eilen in die Hallen sieben bis 12, da beginnt die Versteigerung der gefrorenen Tunfische. Noch mal 400 Tonnen. Das gleiche Prozedere von vorn.
Draußen sind inzwischen die Marktstände aufgebaut: Fische und Meeresfrüchte in allen Größen und Farben, die meisten lebend, Krebse mit gigantischen Beinen, fußballgroße Muscheln, Berge von Algen, Bottiche voller Aale, Aquarien voller Kraken. Hier wird alles verkauft, was das Meer hergibt. Teruo Watanabe (66) hat einen der spektakulärsten Stände auf dem Markt. Er sortiert gerade Seeigel nach ihrer Größe. Sehen Sie, sagt er, unser Land besteht aus fünf Inseln, die alle vom Ozean umgeben sind. Da liegt es doch nahe, dass wir uns aus dem Meer ernähren. Dass uns der Fisch ein langes Leben schenkt, ist eher Zufall.
Im Vergleich mit uns essen die Japaner mehr als viermal so viel Fisch und Meeresfrüchte, viermal so viel Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D, die vor Krebs schützen, und viermall so viel Jod, das die Schilddrüse stärkt. Fisch ist in Japan neben Reis das zentrale Nahrungsmittel. Es gibt ihn zum Frühstück, mittags, abends. Roh, gegrillt, gekocht, eingelegt. Und wer am Abend knabbert, der greift zum Sesam-Sardinen-Mix.
Geheimnis 4: HygieneDer Japaner nimmt es mit der Hygiene sehr genau, er fürchtet wenig so sehr wie Schweiß, Schmutz, Staub und Infektionen.»Bitte duschen Sie zweimal« (Hinweis für Touristen in einem öffentlichen Bad in Tokio) Sollten Sie mal in einem Ryokan, also einem traditionellen Landgasthof, eine Nacht verbringen, werden Sie das spätestens an der Kleiderordnung bemerken. Ihre Straßenschuhe tauschen Sie am Eingang gegen ein Paar Binsenlatschen, das Sie beim Betreten des Zimmers vor der Tür stehen lassen. Drinnen legen Sie die Straßenkleidung ab und tauschen sie gegen den Yucata, eine Art Kimono mit meterlangem Gürtel. Wollen Sie Ihr Bad vom Zimmer aus betreten, wartet ein neues Latschenpaar auf Sie.
Mit den Im-Hotel-erlaubt-Latschen dürfen Sie zum Onsen. Das sind die heißen Bäder, die Japaner so sehr lieben. Überall gibts diese Onsen, in denen getrennt nach Geschlechtern und nackt gebadet wird.
Der Besuch beginnt mit einer ausführlichen Körperreinigung. Dazu setzt man sich auf einen bierkastenhohen Schemel, auf dem sich selbst Japaner die Ohren mit den Knien zuhalten können, und wäscht jedes Haar, jede Körperfalte, jeden Quadratzentimeter Haut mit Hilfe einer Handdusche und einem Eimerchen.
Ungewohnt ist, dass man das direkt vor den anderen Badenden tut. Öffentlicher kann man sich nicht waschen, und da jeder Reiseführer davon abrät, auch nur ein Fitzelchen Restschaum am Körper zu übersehen, auch nicht gründlicher. Dann darf man ins Wasser. Das ist heiß, oft mit deutlich über 40 Grad sogar sauheiß, und ehe der Kreislauf schlappmacht, verlässt man die Wanne am besten wieder Schmerzunempfindliche nach 3 Minuten.
Hygienewahn mit musikalischen Toiletten: Der Besuch im Onsen ist für viele Japaner ein wichtiges Ritual, er leitet den Feierabend, das Wochenende oder die Nachtruhe ein, so dass die Bäder vieler Hotels die ganze Nacht über geöffnet sind. Das jedoch hindert keinen Japaner daran, am Morgen ein weiteres Mal zu duschen.
Und da wir schon bei den Details des japanischen Hygienewahns sind, seien hier noch die Toilettensitze erwähnt. Die meisten sind mit einer Vielzahl von Knöpfen ausgestattet, mit denen sich die Temperatur des Sitzes, unterschiedliche Duschstrahlarten und der Föhn für den Hintern regeln lassen. Der Knopf, mit dem Sie die Musik oder ein Pfeifen starten, ist für all jene gedacht, die übliche Geräusche übertönen wollen.
Geheimnis 5: Grüner TeeGrüner Tee verspricht offenbar ein langes Leben und wird darum in Japan zu jeder Gelegenheit getrunken.»Frieden liegt in einer Tasse Tee« (buddh. Weisheit) Sie trinken ihn morgens, mittags und abends, warm und kalt, aus Porzellantassen oder Getränkedosen. Wenn Bier das Getränk der Deutschen ist, dann ist es der grüne Tee für die Japaner. Und sie verehren ihn noch mehr als die Bayern das Reinheitsgebot.
Für die meisten Japaner ist der grüne Tee die wichtigste Ursache für ihre hohe Lebenserwartung. Sie glauben, dass er sie vor Krebs, Karies, Bluthochdruck, Hirnschlag und Arteriosklerose schützt, schlank hält, den Blutzuckerspiegel kontrolliert, Kapillargefäße stärkt und bei radioaktiven Niederschlägen den Körper entgiftet. Wissenschaftlich erwiesen ist das alles nicht. Nur, dass grüner Tee vitaminreich und bekömmlich ist und Flavonoide enthält, die vor Krebs schützen sollen.
Ganz besonders gut scheint er denen zu bekommen, die hauptberuflich die berühmten Teezeremonien abhalten strenge Abfolgen von Handlungen rund um die Zubereitung und den Genuss von Tee, bei denen man deutlich mehr formale Fehler machen als Schlucke aus der Tasse nehmen kann. Den Zeremonienmeistern wird nachgesagt, sie würden alle steinalt. Kein anderer Beruf in Japan verspricht ein längeres Leben. Das ist statistisch erwiesen.
Heilige Handlung: Die Teezeremonie (Chanoyu) ist ein wichtiger Bestandteil des traditionellen Lebens. Die wichtigsten Kriterien sind die Einhaltung der Reinheit (Sei), die Ehrfurcht vor dem Leben (Kei), die Harmonie (Wa) und die Stille (Jaku). Der schlammige, pelzige, bittere Tee (Matcha) schmeckt trotzdem merkwürdig.