wir sind die, die ihnen diesen urlaub wieder auf die nerven gehen werden: wir haben kinder 
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Ich erinnere mich an ein freundliches Ehepaar, das auf dem Flug Olbia- München hinter mir saß. Beide unglaublich lieb, weißhaarig, Individualtouristen, taz-Leser. Beim Einchecken schmunzelten sie mir noch zu. Später machten sie die Bekanntschaft mit unserer Babybornpuppe.
Babyborn ist ein riesiger Plastiksäugling mit natürlichen Körperfunktionen. Leute ohne Kinder finden die Puppe abstoßend. Ich finde sie lustig. Meine Tochter und ich haben sogar ein Lied für sie komponiert. Es heißt:
"Ich kann kotzen, ich kann pieseln". Kaum eine Viertelstunde hatten wir gesungen, als der nette weißhaarige Mann sich vorbeugte. Sein Gesicht war rot wie eine Seeanemone. "KÖNNEN SIE ENDLICH MAL MIT DEM QUATSCH AUFHÖREN!!!" schrie er.
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Von dort aus unternehmen wir Expeditionen in den riesigsten Supermarkt der Region. Hier gibt es nicht nur: 100 verschiedene faszinierende Joghurtsorten, bratfertige Fische mit melancholischen Gesichtern, Schokoladen der dekadentesten Geschmacksrichtungen.
Sondern auch: Riesige Einkaufswagen, in denen beide Töchter Platz haben. Und: Hervorragende Spielzeug Barbie-Wundertüten, Fünfzigerjahre- Wasserpistolen, Plastikgeduldspiele in psychedelischen Farben. Wir kaufen sie alle. So ausgerüstet ziehen wir zum Strand. Man erkennt uns schon von weitem. In einem Ring aus verstreuten Handtüchern, Windeln und angebissenen Broten sitzen wir unter unseren Sonnenschirmen. Von Kopf bis Fuß mit einer Mischung aus Sand und Sonnencreme bedeckt lesen wir Bücher vor, graben Löcher von Mondkraterdimensionen und spielen "Schnipp-Schnapp", ein Kartenspiel, das jeden vernünftigen Erwachsenen in den Wahnsinn treibt.
In spätestens fünf Jahren können wir die Kinder auf einen Reiterhof schicken und im VW-Bus durch Sri Lanka fahren. Feinschmeckerreisen durch das Elsass planen. Bildungsurlaub in Siena. Sportwochen in ägyptischen Clubs. Bergsteiger-Action in den Alpen. Klingt super. Vielleicht sollten wir die Kinder mitnehmen.
ausdersüddt.zeitungvonheute