Mein Praktikum bei den Landvögten
— Ein Gastbeitrag von heilegänsje
Die Vorgeschichte
Bis Weihnachten 2008 war mir lediglich bekannt, dass jede Stadt einen Stadtvogt ernennt, der seinen Mitbürgern bei Streitereien und Fehlverhalten Hilfe anbieten soll. Dass es Regeln in der BSW gibt, wusste ich natürlich auch (und weiß das nach 1½ Jahren in der BSW immer noch) und auch, dass man sie in der Netiquette nachlesen kann. Und natürlich, dass es so etwas wie eine Blacklist gibt. Darüber hinaus war es mir nur nebulös bewusst, dass es über die Stadtgrenzen hinaus etwas Ähnliches geben muss wie die Stadtvögte. Wie man sieht, hatte ich noch keine Begegnung mit dem Fairnessteam, heute kann ich sagen: ein Versäumnis. *lol*
Und dann hatte ich gleich drei Begegnungen mit Landvögten. Ich konnte innerhalb einer Woche beobachten, wie sie mit Usern sprachen und sich darum bemühten, mit ihnen zuerst in einem Tell zu sprechen. Als dieses in einem Fall nicht klappte, wurde die ganze Situation im Spielraum mit ihm besprochen. Heute weiß ich, dass da vorher schon einige vergebliche Kontaktversuche stattgefunden haben mussten. Es war eine Situation, die nicht einfach zu meistern war, da alle Anwesenden sie mitbekamen.
Das weckte mein Interesse und ich versuchte, mich einmal über die Arbeit der Landvögte zu informieren. Diejenigen, die ich ansprach, waren gerne bereit, mir die Arbeit zu erläutern und waren dabei auch ganz offen. So wurde mir gleich gesagt, dass es manchmal ein sehr harter Job sein kann. Nun, mein Interesse war geweckt und ich bemerkte auf einmal öfter, dass ein Landvogt unauffällig „Delinquenten“ ansprach und auf den privaten Tell aufmerksam zu machen versuchte.
Das Praktikum
Und so kam es, dass ich nach Rücksprache mit unserer Bürgermeisterin und der Stadtvögtin einen Mediator ansprach und mich dann Anfang Januar schriftlich um ein Praktikum bei den Landvögten bewarb, welches ich zu der Zeit noch für überflüssig und etwas lächerlich empfand: “So was macht man doch mit links!”
Lange Rede, kurzer Sinn: Etwa eine Woche später wurde ich von einem mir unbekannten BSW-User angetellt, der mir mitteilte, dass ich, wenn es mir ernst mit der Bewerbung gewesen sei, ab heute im Praktikum wäre und dass mir zwei Tutoren zugeteilt worden seien, die mich einweisen würden. Diese beiden Nicks waren mir ebenfalls unbekannt.
Ups, da saß ich nun!
Nun, ich meldete mich in dem zuständingen Forum an und betrat zum ersten Mal den Stadtvögtechannel. Komisches Gefühl, da ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Und dort wurde ich von allen anwesenden Vögten freundlich begrüßt, obwohl mir die wenigsten bekannt waren, und bekam gleich von vielen Seiten Hilfe angeboten; ich wusste nur noch nicht, bei was genau …
Und dann meldete sich auch gleich eine meiner beiden Tutorinnen bei mir, die mir verschiedene Ratschläge und Tips gab, insbesondere den, dass ich zuerst einmal einfach zuschauen und beobachten soll. “Na Klasse”, dachte ich “das kann ja was werden”. Und es wurde was!
Es war der beste Ratschlag, den man jemandem geben kann, der, so wie ich, absolut keine Ahnung vom Fairnesssystem der BSW hat. Ich lernte dadurch, wie verschieden sich User benehmen bzw. nicht benehmen können, welche Probleme ein Vogt, ob Stadtvogt oder Landvogt ist egal, vorgetragen bekommt und wie man damit umgehen kann. Meine Achtung vor dem Einsatz und der Arbeit der Vögte stieg von Tag zu Tag.
Also ich fing, wie alle Praktikanten, mit Stufe 1 an, das heißt, ich „durfte“ nur leichte Fälle – wie z. B. Droppen – bearbeiten und das war schon ein recht großes Übungsfeld. Mir war vorher nicht bewusst, wie viele User immer wieder ein Spiel verlassen, weil sie nicht verlieren können oder wollen und damit anderen den Spaß am Spiel verderben. Ich lernte den Begriff des „Quotendroppers“ kennen, der mir bis dahin absolut unbekannt war. Mir fiel auch auf, dass es oft die selben User waren, die sich im Fairness-Channel meldeten.
Und natürlich war es auch meine Aufgabe, für alle Kaffee zu kochen, eine der wichtigsten Aufgaben der Praktikanten überhaupt, auch wenn es, wie hier, virtuell geschieht. *lach* Jaja, so ein Azubi hat es nicht leicht.
Meine beiden Tutorinnen hatten auch die Aufgabe, mich in die Formalien des Vögteforums einzuweisen. So lernte ich den Umgang mit dem Vögteforum von “der Pike auf” kennen. Außerdem leisteten sie Hilfestellung, wenn ich versuchte, im Fairnesschannel eine Beschwerde aufzunehmen. Ich bekam Tipps und ab und zu wurde von ihnen eine kleine „Prüfungsfrage“ eingeworfen. So konnte ich mich langsam in die Arbeit der Vögte einarbeiten. Es war auch sehr gut, dass ich immer im Stadtvögtechannel um Hilfe fragen konnte, die nie lange auf sich warten ließ.
Im Februar teilte mir eine meiner Tutorinnen mit, dass ich mich ab sofort in der 2. Stufe des Praktikums befände, das heißt, dass ich jetzt auch die kritischeren Fälle wie Beledigung, häufiges Droppen usw. bearbeiten dürfe. Und schon wieder: ups, und die Frage an mich selbst: „Kann ich das überhaupt?“ Also mal wieder allen Mut zusammengepackt und Kopf über in den Kampf!
Jetzt erkannte ich, dass ein Praktikum sehr wohl angebracht war
Es ist nicht immer leicht, ruhig zu bleiben, wenn man mit einem uneinsichtigen User versucht zu reden und dabei Beleidigungen und Beschimpfungen an den Kopf geworfen bekommt, ignoriert wird oder von jemandem als “Machtgeier” und Ähnliches bezeichnet wird. Ich konnte erst in dieser Phase durchschauen, mit welchen Problemen sich die Vögte rumschlagen müssen. Und das alles freiwillig und in ihrer Freizeit, die andere zum Spielen nutzen. In dieser Zeit konnte ich auch feststellen, dass viele der aktiven Vögte nur aus dem Grund mitarbeiten, weil sie sich wünschen, dass die BSW weiterhin einen Raum bieten kann, in dem man ohne Stress spielen und Spass haben kann und niemand mehr oder weniger wert ist als der andere.
Das Praktikum gibt einem die Zeit, sich zu überlegen, ob man das ertragen kann und will, oder nicht. Es ist also doch eine sinnvolle Sache. Ich möchte hier auch noch sagen, dass meine Tutoren sich sehr viel Mühe gegeben und Zeit genommen haben, um mir absolutem Neuling alles zu erklären und die tausend Fragen, die ich immer wieder hatte, zu beantworten. Gestattet mir, dass ich hier auch mal Danke sage, sie haben es sich redlich verdient!
Die beiden hatten mich als „Azubi“ ganz gut in Griff, und ich machte weitere Fortschritte in dem Bemühen, das Fairnesssystem und seine Arbeit kennen und verstehen zu lernen. Heute ist die Praktikumszeit zu Ende und ich bin die neuste Landvögtin der BSW.
Zum Abschluss noch ein kleines Resümee
Meine Einstellung zum Fairnesssystem der BSW hat sich grundlegend geändert.
- Ich weiß jetzt, dass diese Einrichtung LEIDER notwendig ist bei so vielen unterschiedlichen Charakteren.
- Ich weiß jetzt, dass der grösste Teil der User der BSW sich an die Nutzungsbedingungen und die wenigen Regeln hält und nur ein Bruchteil von ihnen sie außer acht lassen und damit anderen die Freude am ungestörten Spielen und Spaß haben verderben wollen und leider auch können.
- Es ist für mich immer noch verwunderlich, dass sich doch so viele User bereit erklärt haben, als Stadt- oder Landvogt im Fairnessteam mitzuwirken und deshalb oft auf den eigentlichen Sinn der BSW, nämlich das Spielen, verzichten, um Anderen zu helfen.
- Alle Vögte, Mediatoren und Admins sind genauso User mit den gleichen Stärken und Schwächen wie alle anderen User auch und halten sich für nichts Besonderes.
- Ich weiß jetzt, dass mir die Arbeit sehr viel Spaß macht und ich sie gerne weiter machen möchte. Das ist für mich die erfreulichste Erkenntnis.
Vielleicht habe ich mit meinem Erfahrungbericht einigen Mut machen können, den gleichen Schritt zu tun, den ich, trotz totaler Unwissenheit, auf was ich mich da einlasse, gemacht habe und den ich nicht bereue.
Euer heilegänsje

danke, für den interessanten Erfahrungsbericht. Ich hoffe, er wird von einer Vielzahl Users gelesen und auf gewissen Art und Weise kann auch der Artikel vielleicht zu einem besseren Miteinander führen.
Gruß
Bodo
Ein Super Bericht *dolle Lob
Lg
Jane
Echt klasse und sehr informativ dieser Bericht.
Ich bin mit Bodo einer Meinung und hoffe, dass durch diesen Artikel möglichst viele Spieler die Arbeit der Vögte, Landvögte und Mediatoren für ein besseres Miteinander in der BSW anerkennen.
Gruß
Lenni
Wirklich toll geschrieben! Vielen Dank dafür!
lg
aRnE
Dank für den interessanten Beitrag.
Lg
Bear
Danke für den schönen Bericht. Ich danke auch allen Stadt- und Landvögten für ihre Arbeit.
pet
Schöner Bericht!
Als Erstes kommt das Interesse für etwas, dann kommt der Einsatz und wenn alles bis zum Schluß durchgehalten wird, wie bei dir Heilegänsje, dann ist das eine schöne runde Sache.
Mir hast du auch helfen können, danke auch dafür nochmal.
Sehen wir dich jetzt nicht mehr im Channel?
Schade.
Liebe Grüße
Döark