{"id":5617,"date":"2016-05-04T10:18:17","date_gmt":"2016-05-04T10:18:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brettspielwelt.de\/Magazin\/?p=5617"},"modified":"2016-05-04T10:20:30","modified_gmt":"2016-05-04T10:20:30","slug":"rezension-auf-den-spuren-von-marco-polo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.brettspielwelt.de\/Magazin\/rezension-auf-den-spuren-von-marco-polo\/","title":{"rendered":"Rezension: Auf den Spuren von Marco Polo"},"content":{"rendered":"<p>Hans im Gl\u00fcck begibt sich auf die Spuren von Marco Polo. Verantwortlich zeichnet sich ein Autoren-Duo, das schon mit Tzolk&#8217;in einen Hit gelandet hat. Auch wenn dieses Mal keine gro\u00dfen Zahnr\u00e4der im Spiel sind, hat das Spiel doch viele gut verzahnte Mechanismen.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt steht, wie k\u00f6nnte es bei einem Spiel diesen Namens anders sein, das Reisen. Folglich nimmt eine Asienkarte einen Gro\u00dfteil des Spielplans ein. Darauf sind 15 Orte von Venedig bis Beijing eingezeichnet. Gew\u00f6hnlich beginnt man seine Reise in Venedig und kann von hier aus andere Orte aufsuchen.<\/p>\n<h2>Aktionen<\/h2>\n<p>Auf den Spuren von Marco Polo ist ein Worker Placement Spiel in Tradition von Burgen von Burgund. Denn auch hier hat man (in diesem Fall f\u00fcnf) W\u00fcrfel, die man als Arbeiter einsetzt. Hierf\u00fcr w\u00fcrfeln alle Spieler am Anfang der jeweils f\u00fcnf Runden. Vom Startspieler an, sucht man sich reihum immer eine W\u00fcrfelposition als Hauptaktion aus und platziert doch die erforderliche Anzahl W\u00fcrfel. Je nach Einsatzort k\u00f6nnen das zwischen ein bis drei W\u00fcrfel sein. Gew\u00f6hnlich bestimmt die Augenzahl des niedrigsten eingesetzten W\u00fcrfels die Qualit\u00e4t der Aktion. So erhalt ich z.B. am Markt mit einem 4er-W\u00fcrfel entweder 3 Pfeffer oder mit zwei Vieren drei Seide. F\u00fcr 3 Gold br\u00e4uchte ich sogar schon drei W\u00fcrfel mit mindestens jeweils Vieren darauf.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit bei Marco Polo ist, dass die schon belegten Einsatzfelder auch weiterhin nutzbar sind &#8211; wenn auch mit einigen Einschr\u00e4nkungen. Jeder weitere Einsatz von schon belegten Feldern kostet so viel Geld, wie der niedrigste, frisch platzierte W\u00fcrfel. Legt also ein anderer Spieler eine 2 auf meine Pfeffer-Vier, m\u00fcsste er zwei Geld bezahlen und erhielte daf\u00fcr zwei Pfeffer. Da gibt es aber noch eine klitzekleine, weitere Einschr\u00e4nkung. Auf einem Einsatzfeld darf innerhalb einer Runde niemals die gleiche Spielerfarbe in unterschiedlichen Z\u00fcgen doppelt platziert werden. War ich also zuvor schon im Pfeffer, darf ich nicht erneut einen W\u00fcrfel meiner Farbe auf dieses Feld setzen. Warum formuliere ich das kompliziert? Weil die Spieler in der Lage sind, sich neutrale, schwarze W\u00fcrfel zu kaufen und die sind von der Regel ausgenommen. Lege ich also auf die schon vorhandenen Pfefferw\u00fcrfel eine schwarze 6, muss ich zwar 6 Geld bezahlen, erhalte aber stattliche vier Pfeffers\u00e4cke.<\/p>\n<h2>Zusatzaktionen<\/h2>\n<p>Wie erhalte ich diese schwarzen W\u00fcrfel? Vor und nach meinem Zug kann ich beliebig viele Zusatzaktionen machen. Diese werden mit Kamelen gezahlt. So kann ich z.B. f\u00fcr ein Kamel einen W\u00fcrfel neu w\u00fcrfeln, f\u00fcr zwei Kamele einen W\u00fcrfel um eins erh\u00f6hen oder verringern oder f\u00fcr drei Kamele einen schwarzen W\u00fcrfel erstehen. Allerdings ist immer nur der Kauf eines schwarzen W\u00fcrfels pro Zug erlaubt, damit ein Spieler nicht gleich die ganze Auslage leer kauft. Die anderen Zusatzaktionen k\u00f6nnen hingegen beliebig oft vor und nach der Hauptaktion durchgef\u00fchrt werden &#8211; vorausgesetzt man hat die n\u00f6tigen Kamele. Ebenso kann ich auch schlicht einen oder mehrere W\u00fcrfel abgeben und erhalt im Gegenzug drei Geld pro W\u00fcrfel.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt kann man vor oder nach seiner Aktion noch beliebig viele Handelsauftr\u00e4ge erledigen.<\/p>\n<h2>Auftr\u00e4ge? Was f\u00fcr Auftr\u00e4ge?<\/h2>\n<p>Auch wenn das Reisen ein zentrales Element ist, war Marco Polos Familie doch eine Handelsfamilie und folglich kann man eine gro\u00dfe Menge Siegpunkte durch das Erledigen von Handelsauftr\u00e4gen erringen. Von diesen kann man stets maximal zwei St\u00fcck auf seinem Tableau lagern und gibt man die aufgedruckte Menge Waren oder Kamele ab, erh\u00e4lt man im Gegenzug zwischen 1 bis 9 Siegpunkte, andere Waren, Geld, einen neuen Handelsauftrag oder sogar die M\u00f6glichkeit zu Reisen. Die Spieler, die am Ende die meisten Handelsauftr\u00e4ge erf\u00fcllt haben, erhalten noch einen Bonus von sieben Punkten. Frische Auftr\u00e4ge erh\u00e4lt man, indem man einen einzelnen W\u00fcrfel in die Position am unteren Spielplanrand setzt. Dort stehen sechs Auftr\u00e4ge zur Verf\u00fcgung &#8211; wenigstens dem ersten Spieler, der dort einen W\u00fcrfel einsetzt. Im Laufe einer Runde d\u00fcnnt das Angebot dann deutlich aus.<\/p>\n<h2>Und was ist mit dem Reisen?<\/h2>\n<p>Um eine Reiseaktion zu machen, muss man zwei W\u00fcrfel auf das Reisefeld setzen. Setzt man hier zum Beispiel zwei Dreien ein, darf man bis zu drei Stationen weit reisen.\u00a0 Reisen kostet aber nicht nur zwei W\u00fcrfel sondern ist auch ansonsten mit heftigen Kosten belastet. Die Reiseaktion kostet, abh\u00e4ngig von der Reisestrecke zwischen zwei und 18 Geld. Au\u00dferdem befinden sich auf etlichen Routen noch Zusatzkosten in Form von abzugebenden Kamelen oder Geldsummen. Passiere ich diese Stellen, darf ich auch alle daran liegenden Zusatzkosten berappen. Lange Reisen wird also leicht sehr teuer.<\/p>\n<h2>Und warum will ich reisen?<\/h2>\n<p>Reisen wird gleich mehrfach belohnt. Immer wenn man eine Stadt erreicht (also am Zielpunkt der Reise), setzt man dort ein Handelshaus. Hat man acht bzw. neun Handelsh\u00e4user gebaut, erh\u00e4lt man f\u00fcnf bzw. 15 Siegpunkte. Die gro\u00dfen St\u00e4dte verf\u00fcgen jeweils \u00fcber eine eigene Einsetzfunktion. Jeder Spieler mit einem Handelshaus vor Ort, kann diese Funktion mit einem W\u00fcrfel nutzen. Teilweise sind diese Stadtfunktionen sehr stark. Allerdings darf hier pro Runde immer nur genau ein W\u00fcrfel eingesetzt werden. Hier k\u00f6nnen keine W\u00fcrfel von mehreren Spielern gestapelt werden. In Sumatra liegen sogar drei Karten aus, die alle verwendet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die kleinen (blauen) St\u00e4dte hingegen bringen den Besitzern der Handelsh\u00e4user Dauereinkommen an Punkten, Geld und\/oder Kamelen. Dieses Dauereinkommen erh\u00e4lt man die restlichen Runden und sofort in der aktuellen Runde.<\/p>\n<p>Erreicht ein Spieler Beijing erh\u00e4lt er am Ende Punkte abh\u00e4ngig davon, als wievielter er dort angekommen ist. Hier sind bis zu 10 Punkte zu erzielen.<\/p>\n<p>Zu Beginn des Spiels erh\u00e4lt jeder Spieler zwei Reisekarten. Auf diesen sind jeweils zwei St\u00e4dte abgebildet. Erreicht man einige der darauf abgebildeten St\u00e4dte, erh\u00e4lt man in der Endabrechnung erneut Punkte. Das k\u00f6nnen, bei schwierigen Routen, bis zu ca. 25 Punkte sein.<\/p>\n<p>Es spricht also auf dem Papier erst einmal viel f\u00fcr das Reisen &#8211; im Gegenzug sind die Kosten allerdings auch immens. Allein schon, weil man f\u00fcr jede normale Reise zwei seiner f\u00fcnf W\u00fcrfel einsetzen muss.<\/p>\n<h2>Die Gunst des Khan und 5 Geld nehmen<\/h2>\n<p>Es gibt noch zwei weitere W\u00fcrfelfelder, die gerne benutzt werden. In der Gunst des Khan gibt es genau vier W\u00fcrfeleinsetzfelder, auf die W\u00fcrfel in aufsteigender (oder zumindest gleich hoher) Gr\u00f6\u00dfe eingesetzt werden m\u00fcssen. Hier werden h\u00e4ufig die niedrigen W\u00fcrfel eingesetzt, die andernorts nur geringe Einnahmen erzielen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich gibt es noch ein Feld, auf dem man f\u00fcnf Geld f\u00fcr einen W\u00fcrfel beliebiger H\u00f6he erh\u00e4lt. Auch hier gilt die Regeln, wer als erster das Feld nutzt, darf umsonst rein, wer sp\u00e4ter reinsetzt, muss erst zahlen. Der erste erh\u00e4lt also die vollen f\u00fcnf Geld &#8211; jeder andere Spieler wird dort vermutlich nur mit einer eins einsetzen, weil er dann ein Geld zahlt, f\u00fcnf erh\u00e4lt und immerhin noch vier Geld Gewinn macht.<\/p>\n<h2>Wer bin ich?<\/h2>\n<p>Besondere W\u00fcrze erh\u00e4lt das Spiel durch die Personenkarten, von denen jedem Spieler eine zugelost wird. Diese gibt ihm (\u00e4hnlich wie in der Tzolk&#8217;in-Erweiterung) besondere F\u00e4higkeiten oder Eigenschaften, die die Spielweise teilweise deutlich ver\u00e4ndern. Mal beginnt man seine Reise in Beijing, mal darf man umsonst auf andere W\u00fcrfel setzen und ein anderes Mal muss man gar nicht w\u00fcrfeln sondern dreht die W\u00fcrfel beim Einsetzen ganz nach Gutd\u00fcnken. Die vorhandenen Personen sind alle historisch Pers\u00f6nlichkeiten der damaligen \u00c4ra und hatten auf die ein oder andere Weise mit den China-Reisen zu tun.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Auf den Spuren von Marco Polo spielt sich jedes Mal anders. Teils liegt das an den Personenkarten, teils an der Konstellation der Einsetzfelder auf den gro\u00dfen St\u00e4dten. Von diesen Karten gibt es deutlich mehr Karten als aufs Spielfeld passen. Und schlie\u00dflich muss man auch sehen, wie man das Beste aus seinem W\u00fcrfelgl\u00fcck oder -pech macht. Diese Variabilit\u00e4t macht das Spiel \u00fcber viele Partien hinweg immer wieder interessant und anspruchsvoll.<\/p>\n<p>In manchen Szenarien kann aber gerade die Unterschiedlichkeit der Personenkarten ein Manko darstellen. Nicht alle Personen sind stets gleich oder zumindest \u00e4hnlich stark. Gerade die Reisekarten leben von St\u00e4dtekarten mit Geldeinkommen. Ohne dieses kann man schlicht von Anfang an Pech gehabt haben.<\/p>\n<p>Etwas st\u00f6rend empfinde ich zudem die Vielfalt der W\u00fcrfeleinsetzmechanismen. Anf\u00e4nger verstehen h\u00e4ufig nicht den Unterschied zwischen der Zusatzaktion &#8222;3 Geld f\u00fcr einen W\u00fcrfel&#8220;\u00a0 und dem Einsetzfeld &#8222;5 Geld nehmen&#8220;. Problematisch ist auch der Unterschied zwischen den normalen &#8222;stapelbaren&#8220; Einsetzfeldern, der Gunst des Khans und den Stadtkarten, auf denen insgesamt nur ein W\u00fcrfel pro Runde liegen darf.<\/p>\n<p>Ein h\u00e4ufig von Mitspielern ge\u00e4u\u00dferter Kritikpunkt ist die schwere Unterscheidbarkeit der Mehrfachrohstoffe (3er) und der einzelnen Rohstoffe. Sie unterscheiden sich nur in der Gr\u00f6\u00dfe und gerade die Kamele werden leicht verwechselt.<\/p>\n<p>Das Spiel spielt sich in jeder Spielerzahl von zwei bis vier Spielern sehr gut. Und trotz aller Kritik m\u00f6chte ich bekr\u00e4ftigen, dass Auf den Spuren von Marco Polo ein tolles Spiel ist und jede Menge Spa\u00df bereitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans im Gl\u00fcck begibt sich auf die Spuren von Marco Polo. Verantwortlich zeichnet sich ein Autoren-Duo, das schon mit Tzolk&#8217;in einen Hit gelandet hat. 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