Rezension: Auf den Spuren von Marco Polo

Hans im Glück begibt sich auf die Spuren von Marco Polo. Verantwortlich zeichnet sich ein Autoren-Duo, das schon mit Tzolk’in einen Hit gelandet hat. Auch wenn dieses Mal keine großen Zahnräder im Spiel sind, hat das Spiel doch viele gut verzahnte Mechanismen.

Im Mittelpunkt steht, wie könnte es bei einem Spiel diesen Namens anders sein, das Reisen. Folglich nimmt eine Asienkarte einen Großteil des Spielplans ein. Darauf sind 15 Orte von Venedig bis Beijing eingezeichnet. Gewöhnlich beginnt man seine Reise in Venedig und kann von hier aus andere Orte aufsuchen.

Aktionen

Auf den Spuren von Marco Polo ist ein Worker Placement Spiel in Tradition von Burgen von Burgund. Denn auch hier hat man (in diesem Fall fünf) Würfel, die man als Arbeiter einsetzt. Hierfür würfeln alle Spieler am Anfang der jeweils fünf Runden. Vom Startspieler an, sucht man sich reihum immer eine Würfelposition als Hauptaktion aus und platziert doch die erforderliche Anzahl Würfel. Je nach Einsatzort können das zwischen ein bis drei Würfel sein. Gewöhnlich bestimmt die Augenzahl des niedrigsten eingesetzten Würfels die Qualität der Aktion. So erhalt ich z.B. am Markt mit einem 4er-Würfel entweder 3 Pfeffer oder mit zwei Vieren drei Seide. Für 3 Gold bräuchte ich sogar schon drei Würfel mit mindestens jeweils Vieren darauf.

Eine Besonderheit bei Marco Polo ist, dass die schon belegten Einsatzfelder auch weiterhin nutzbar sind – wenn auch mit einigen Einschränkungen. Jeder weitere Einsatz von schon belegten Feldern kostet so viel Geld, wie der niedrigste, frisch platzierte Würfel. Legt also ein anderer Spieler eine 2 auf meine Pfeffer-Vier, müsste er zwei Geld bezahlen und erhielte dafür zwei Pfeffer. Da gibt es aber noch eine klitzekleine, weitere Einschränkung. Auf einem Einsatzfeld darf innerhalb einer Runde niemals die gleiche Spielerfarbe in unterschiedlichen Zügen doppelt platziert werden. War ich also zuvor schon im Pfeffer, darf ich nicht erneut einen Würfel meiner Farbe auf dieses Feld setzen. Warum formuliere ich das kompliziert? Weil die Spieler in der Lage sind, sich neutrale, schwarze Würfel zu kaufen und die sind von der Regel ausgenommen. Lege ich also auf die schon vorhandenen Pfefferwürfel eine schwarze 6, muss ich zwar 6 Geld bezahlen, erhalte aber stattliche vier Pfeffersäcke.

Zusatzaktionen

Wie erhalte ich diese schwarzen Würfel? Vor und nach meinem Zug kann ich beliebig viele Zusatzaktionen machen. Diese werden mit Kamelen gezahlt. So kann ich z.B. für ein Kamel einen Würfel neu würfeln, für zwei Kamele einen Würfel um eins erhöhen oder verringern oder für drei Kamele einen schwarzen Würfel erstehen. Allerdings ist immer nur der Kauf eines schwarzen Würfels pro Zug erlaubt, damit ein Spieler nicht gleich die ganze Auslage leer kauft. Die anderen Zusatzaktionen können hingegen beliebig oft vor und nach der Hauptaktion durchgeführt werden – vorausgesetzt man hat die nötigen Kamele. Ebenso kann ich auch schlicht einen oder mehrere Würfel abgeben und erhalt im Gegenzug drei Geld pro Würfel.

Zu guter Letzt kann man vor oder nach seiner Aktion noch beliebig viele Handelsaufträge erledigen.

Aufträge? Was für Aufträge?

Auch wenn das Reisen ein zentrales Element ist, war Marco Polos Familie doch eine Handelsfamilie und folglich kann man eine große Menge Siegpunkte durch das Erledigen von Handelsaufträgen erringen. Von diesen kann man stets maximal zwei Stück auf seinem Tableau lagern und gibt man die aufgedruckte Menge Waren oder Kamele ab, erhält man im Gegenzug zwischen 1 bis 9 Siegpunkte, andere Waren, Geld, einen neuen Handelsauftrag oder sogar die Möglichkeit zu Reisen. Die Spieler, die am Ende die meisten Handelsaufträge erfüllt haben, erhalten noch einen Bonus von sieben Punkten. Frische Aufträge erhält man, indem man einen einzelnen Würfel in die Position am unteren Spielplanrand setzt. Dort stehen sechs Aufträge zur Verfügung – wenigstens dem ersten Spieler, der dort einen Würfel einsetzt. Im Laufe einer Runde dünnt das Angebot dann deutlich aus.

Und was ist mit dem Reisen?

Um eine Reiseaktion zu machen, muss man zwei Würfel auf das Reisefeld setzen. Setzt man hier zum Beispiel zwei Dreien ein, darf man bis zu drei Stationen weit reisen.  Reisen kostet aber nicht nur zwei Würfel sondern ist auch ansonsten mit heftigen Kosten belastet. Die Reiseaktion kostet, abhängig von der Reisestrecke zwischen zwei und 18 Geld. Außerdem befinden sich auf etlichen Routen noch Zusatzkosten in Form von abzugebenden Kamelen oder Geldsummen. Passiere ich diese Stellen, darf ich auch alle daran liegenden Zusatzkosten berappen. Lange Reisen wird also leicht sehr teuer.

Und warum will ich reisen?

Reisen wird gleich mehrfach belohnt. Immer wenn man eine Stadt erreicht (also am Zielpunkt der Reise), setzt man dort ein Handelshaus. Hat man acht bzw. neun Handelshäuser gebaut, erhält man fünf bzw. 15 Siegpunkte. Die großen Städte verfügen jeweils über eine eigene Einsetzfunktion. Jeder Spieler mit einem Handelshaus vor Ort, kann diese Funktion mit einem Würfel nutzen. Teilweise sind diese Stadtfunktionen sehr stark. Allerdings darf hier pro Runde immer nur genau ein Würfel eingesetzt werden. Hier können keine Würfel von mehreren Spielern gestapelt werden. In Sumatra liegen sogar drei Karten aus, die alle verwendet werden können.

Die kleinen (blauen) Städte hingegen bringen den Besitzern der Handelshäuser Dauereinkommen an Punkten, Geld und/oder Kamelen. Dieses Dauereinkommen erhält man die restlichen Runden und sofort in der aktuellen Runde.

Erreicht ein Spieler Beijing erhält er am Ende Punkte abhängig davon, als wievielter er dort angekommen ist. Hier sind bis zu 10 Punkte zu erzielen.

Zu Beginn des Spiels erhält jeder Spieler zwei Reisekarten. Auf diesen sind jeweils zwei Städte abgebildet. Erreicht man einige der darauf abgebildeten Städte, erhält man in der Endabrechnung erneut Punkte. Das können, bei schwierigen Routen, bis zu ca. 25 Punkte sein.

Es spricht also auf dem Papier erst einmal viel für das Reisen – im Gegenzug sind die Kosten allerdings auch immens. Allein schon, weil man für jede normale Reise zwei seiner fünf Würfel einsetzen muss.

Die Gunst des Khan und 5 Geld nehmen

Es gibt noch zwei weitere Würfelfelder, die gerne benutzt werden. In der Gunst des Khan gibt es genau vier Würfeleinsetzfelder, auf die Würfel in aufsteigender (oder zumindest gleich hoher) Größe eingesetzt werden müssen. Hier werden häufig die niedrigen Würfel eingesetzt, die andernorts nur geringe Einnahmen erzielen würden.

Und schließlich gibt es noch ein Feld, auf dem man fünf Geld für einen Würfel beliebiger Höhe erhält. Auch hier gilt die Regeln, wer als erster das Feld nutzt, darf umsonst rein, wer später reinsetzt, muss erst zahlen. Der erste erhält also die vollen fünf Geld – jeder andere Spieler wird dort vermutlich nur mit einer eins einsetzen, weil er dann ein Geld zahlt, fünf erhält und immerhin noch vier Geld Gewinn macht.

Wer bin ich?

Besondere Würze erhält das Spiel durch die Personenkarten, von denen jedem Spieler eine zugelost wird. Diese gibt ihm (ähnlich wie in der Tzolk’in-Erweiterung) besondere Fähigkeiten oder Eigenschaften, die die Spielweise teilweise deutlich verändern. Mal beginnt man seine Reise in Beijing, mal darf man umsonst auf andere Würfel setzen und ein anderes Mal muss man gar nicht würfeln sondern dreht die Würfel beim Einsetzen ganz nach Gutdünken. Die vorhandenen Personen sind alle historisch Persönlichkeiten der damaligen Ära und hatten auf die ein oder andere Weise mit den China-Reisen zu tun.

Fazit

Auf den Spuren von Marco Polo spielt sich jedes Mal anders. Teils liegt das an den Personenkarten, teils an der Konstellation der Einsetzfelder auf den großen Städten. Von diesen Karten gibt es deutlich mehr Karten als aufs Spielfeld passen. Und schließlich muss man auch sehen, wie man das Beste aus seinem Würfelglück oder -pech macht. Diese Variabilität macht das Spiel über viele Partien hinweg immer wieder interessant und anspruchsvoll.

In manchen Szenarien kann aber gerade die Unterschiedlichkeit der Personenkarten ein Manko darstellen. Nicht alle Personen sind stets gleich oder zumindest ähnlich stark. Gerade die Reisekarten leben von Städtekarten mit Geldeinkommen. Ohne dieses kann man schlicht von Anfang an Pech gehabt haben.

Etwas störend empfinde ich zudem die Vielfalt der Würfeleinsetzmechanismen. Anfänger verstehen häufig nicht den Unterschied zwischen der Zusatzaktion „3 Geld für einen Würfel“  und dem Einsetzfeld „5 Geld nehmen“. Problematisch ist auch der Unterschied zwischen den normalen „stapelbaren“ Einsetzfeldern, der Gunst des Khans und den Stadtkarten, auf denen insgesamt nur ein Würfel pro Runde liegen darf.

Ein häufig von Mitspielern geäußerter Kritikpunkt ist die schwere Unterscheidbarkeit der Mehrfachrohstoffe (3er) und der einzelnen Rohstoffe. Sie unterscheiden sich nur in der Größe und gerade die Kamele werden leicht verwechselt.

Das Spiel spielt sich in jeder Spielerzahl von zwei bis vier Spielern sehr gut. Und trotz aller Kritik möchte ich bekräftigen, dass Auf den Spuren von Marco Polo ein tolles Spiel ist und jede Menge Spaß bereitet.

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