Rezension: Photosynthese und wie ich lernte die Bäume zu lieben

Ein Spiel über Bäume? Das sollte doch im Land der Dichter und Baumliebhaber gut ankommen. Auf der Spiel im letzten Jahr war Photosynthese in der englischen Version auf jeden Fall heiß begehrt und endlich ist auch die deutsche Version verfügbar. Dabei bricht das Spiel durchaus mit Traditionen bzw. einem fast schon ehernen Gesetz des Spieldesigns. Gemeint ist das völlige Fehlen eines Glückseinflusses. Es gibt also weder Würfel, noch Karten – einfach nur den Kampf Gehirn gegen Gehirn. Was man ansonsten eher von Schach oder vielleicht noch der bekannten 2-Spieler-Reihe Gipf-Projekt kennt, findet sich hier in einem Spiel für bis zu vier Spieler wieder.

Bäumchen wechsle dich

In Photosynthese buhlen die Spieler um freie Plätze für ihre Bäume und besonders um das Licht der Sonne, die während des Spieles dreimal um das sechseckige Spielfeld kreist. Die Spieler säen Samen, lassen daraus kleine Bäume entstehen, lassen diese in zwei Stufen wachsen und fällen sie abschließend, um die begehrten Siegpunktplättchen zu ergattern. Um all dies zu erledigen, müssen die Spieler allerdings zuvor Sonnenpunkte gesammelt haben, die dann für die verschiedenen Aktionen ausgegeben werden. Diese erhält man allerdings nur, wenn die eigenen Bäume nicht im Schatten gleich großer oder größerer Bäume stehen. Entscheidend ist hierfür neben der Größe der betroffenen Bäume auch der Sonnenstand, der sich jede Runde ändert. Selbst ohne Zutun der Mitspieler wandelt sich die Situation stetig und die Spieler müssen vorausschauend agieren, um in den folgenden Runden nicht mit zu wenigen Sonnenpunkten handlungsunfähig dazustehen.

Nichts für Schattenparker

Zentrales Element des Spiels ist also das Spiel mit Licht und erst recht Schatten. Je nach Größe eines Baumes beschattet dieser zwischen ein bis drei Felder. Größere Bäume dahinter interessiert das nicht und sie holen die begehrten Sonnenpunkte. Kleinere oder gleich große Bäume innerhalb dieses Bereiches hingegen sind dank des Schattens für diese Runde aus dem Rennen, werfen aber dennoch auf dahinterliegende Bäume einen Schatten. Geometrisch ergibt das zwar keinen Sinn, kann aber zu heftigen Kettenreaktionen führen, in Folge derer dann in einer langen Reihe nur ein Baum das begehrte Sonnenlicht tanken kann.

Mein Freund der Baum ist tot

Das Makabre an Photosynthese ist, dass die Spieler nur durch das Entfernen von Bäumen punkten können. Das vorherige Einpflanzen und dreistufige Wachsenlassen ist also nur das Vorspiel für den abschließenden Akt. Mit Sicherheit macht man sich in der Spielrunde viele Freunde, wenn man bei jedem Abholzen kurz Alexandras Lied „Mein Freund der Baum (ist tot)“ aus dem Jahr 1968 anstimmt. Überhaupt lädt die thematische Dichte des Spiels zu allerlei Baumwitzen ein. Zu Beginn des Spiels ist man vom „Ernten“ der Bäume und damit Siegpunkten aber weit entfernt. Vielmehr geht es darum, erst einmal möglichst viele Bäume auf den Plan zu bringen und schattige Plätze zu meiden. Erst im Mittelspiel wird man seinen ersten Baum opfern wollen und damit natürlich auch die potenziellen Sonnenpunkte, die dieser Baum in der Folgezeit noch hätte bringen können. Zum Schluss hingegen geht es im Optimalfall allen Bäumen ans Leder. Schließlich hat jeder nicht gefällte Baum im Laufe des Spiels zahlreiche Sonnenpunkte gekostet, die man anders besser hätte einsetzen können. Ein bisschen „Cash Flow Planung“ kann nicht schaden. Zum Glück kann man Photosynthese auch ohne abgeschlossenes BWL-Studium spielen und gewinnen.

Augenweide statt Trauerweide

Einer der Gründe für den Erfolg in Essen war sicherlich die Optik. Denn neben dem vorzüglichen Verpackungsdesign glänzt Photosynthese auch besonders mit einem ansprechenden Spielplan und vielen kleinen bis großen Pappbäumen in 3D. Das sieht beeindruckend aus und zieht die Augen von eventuellen Passanten magisch an. Sicherlich hätte sich das Spiel auch ohne diese aufwändigen Bäume spielen lassen, aber bekanntlich spielt das Auge mit.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Leider spenden bei Photosynthese nicht nur die Bäume Schatten sondern auch das Spiel selbst hat einige Schattenseiten. Am störendsten ist der unsinnige Rundenablauf. Der sieht wie folgt aus: Am Anfang (fast) jeder Runde bewegt sich die Sonne um einen Schritt um den Spielplan herum. Anschließend erhält jeder Spieler Sonnenpunkte anhand des neuen Sonnenstandes und dann machen die Spieler ihre Aktionen. Klingt erstmal gar nicht schlecht? Ist es aber leider. Denn während der Aktionen der Spieler steht die Sonne immer noch auf ihrer alten Position und wird erst für die Wertung weitergedreht. Ergo müssen die Spieler bei allen Überlegungen mit einem Sonnenstand rechnen, der aktuell nicht angezeigt wird. Dese unsinnige Komplikation macht den Spielern das Leben schlicht unnötig kompliziert. Würde sich erst die Sonne weiterbewegen, dann agiert und dann gewertet, wäre vielen Spielern der ein oder andere Knoten in den Gedankenwindungen erspart geblieben. Wer denkt schon gerne stets um 60° um die Ecke?

Weniger dramatisch ist, dass sich Photosynthese zwar vorzüglich zu zweit und zu dritt spielt, der Start zu viert aber etwas holprig ist. In der ersten Runde dürfen alle Spieler reihum zwei Bäume am Rand des Spielfeldes platzieren. Man muss wahrlich nicht Euklid heißen, um zu erkennen, dass die sechs Eckpositionen des Spielfeldes am sonnenreichsten sind, da sie an drei Seiten an den Rand grenzen und die Sonne aus diesen Richtungen ungehindert Labsal in Form von wohlschmeckenden Photonen spenden kann. Bei zwei und drei Spielern und jeweils zwei Bäumen pro Spielern geht die Rechnung wunderbar auf. Bei vier Spielern gucken die beiden letzten Spieler mit jeweils einem Baum quasi in die Röhre und müssen sich für weniger aussichtsreiche Plätze entscheiden. Gleichzeitig schaden sie auch noch dem Spieler, neben dem sie sich gezwungenermaßen platzieren. Denn zwei benachbarte Bäume nehmen sich je nach Sonnenstand mal in die ein und mal in die andere Richtung das Licht. Wohl also dem, der das Glück hat, zu Beginn zwei unbedrängte Eckpositionen für sich zu haben.

Wie war das noch mit dem Licht?

Trotz der Kritik gibt es aber auch viel Licht. Die ansprechende Optik und Haptik veredelt ein abstraktes Denkspiel. Dass die Thematik ebenso passend wie gut umgesetzt wird, verschleiert den abstrakten Charakter des Spiels. Deutschland ist nicht nur das Land der Baumliebhaber sondern auch das Land der Brettspiele, die das Thema häufig erst als allerletztes aufgepfropft bekommen. So gut deutsche Spielmechaniken sind, so sehr lässt sich das Thema häufig austauschen. Das ist bei Photosynthese anders und das ist gut so. Der italienische Autor Hjalmar Hach hatte offensichtlich erst die Idee eines Spieles über Bäume und Sonneneinstrahlung und hat dann die passende Spielmechanik dazu entworfen. Das ergibt ein stimmiges Gesamtbild.

Familienspiel oder Strategiespiel?

Asmodee vermarktet Photosynthese als Familienspiel. Die kurze und knackige vierseitige Anleitung verleitet dazu und erlaubt auch Kindern einen schnellen Einstieg in das Spiel. Der fehlende Glückseinfluss hingegen verzeiht keine „kindlichen“ Fehler. Mit genug Sechsen gewinnt in Mensch ärgere dich nicht, jedes Kind. Das gleiche Kind wird den Würfel hier womöglich vermissen. Wer auf das Glückselement verzichten kann und nur zu zweit oder dritt spielt, kann mit Photosynthese nichts falsch machen. Für zusätzliche Abwechslung sorgen zwei Expertenvarianten, die Einzug in die Anleitung gefunden haben. In der einen Variante umringt die Sonne viermal das Spielfeld (man spielt also 24 Runden) und in der anderen dürfen Samen nur dann gepflanzt werden, wenn der „spendende“ Baum und das Zielfeld nicht im Schatten sind. Eine Besonderheit ist, dass Photosynthese hoch interaktiv ist und man nie den Eindruck gewinnt, gleichzeitig ein Solospiel zu spielen. Zu zweit ist das Spiel sehr strategisch und nicht zuletzt ist das Leid des Mitspielers die eigene Freud. Zu dritt und viert ist das Ringen um die Sonnenstrahlen deutlich familientauglicher, da man weniger gegen einen speziellen Spieler agiert sondern die eigene Baumpopulation hegt, pflegt und letztlich fällt.

Rezension: Rajas of the Ganges

Wir hatten auf der Spiel in Essen die Gelegenheit, uns das Worker-Placement-Spiel Rajas of the Ganges anzuschauen und das Spiel hat uns so gut gefallen, dass wir seitdem einige genauere Blicke darauf werfen konnten. Hier unsere Eindrücke:

Der bunte Spielplan mit dem Ganges samt Schiffen

Rajas of the Ganges entführt uns in das alte Indien, wo wir als Rajas bzw. Ranis – altindische Fürsten bzw. Fürstinnen – um Ruhm und Reichtum wetteifern. Entsprechend bunt kommen Spielplan und Material daher, ein zweiseitiger reichbebilderter Spielplan sowie 48 Würfel in vier leuchtenden Farben, Spielfiguren und Schiffchen aus Holz sowie last but not least der Startspieler-Pappelefant bieten einen Hauch von Bollywood. Da möchte man sofort losspielen.

Wenn wir den Spielplan aufklappen, entdecken wir zunächst etwas sehr Vertrautes: Die Siegpunktleiste (Kramerleiste), die außen um den Spielplan verläuft … aber halt! Da ist ja noch eine Leiste! Hier liegt das Besondere an Rajas of Ganges: Es gibt noch eine zweite Kramerleiste die der Siegpunktleiste entgegenläuft, also gegen den Uhrzeigersinn. Hier wird der Geldmarker vorangesetzt. Und hieraus ergibt sich auch die besondere Siegbedingung des Spieles: Wenn beide Marker aufeinandertreffen endet das Spiel. Die Runde wird noch zu Ende gespielt und der Spieler, dem die größte Überschneidung beider Leisten geglückt ist, gewinnt das Spiel. Dieser Mechanismus fühlt sich neu und innovativ an.

Gespielt wird in drei Bereichen:

  • In der Mitte des Spielplans verläuft der Ganges, an dessen einem Ende unsere Holzboote bei Spielbeginn auf ihren Einsatz warten. Nach jeder Bootsbewegung erhält man die Belohnung des erreichten Feldes.
  • Auf den persönlichen Tableaus können Spieler Gebäude bzw. Märkte bauen und durch geschickt geplante Wegenetze weitere Belohnungen einsacken. Mit den Märkten kann man gut Geld verdienen, die Gebäude bringen schlicht zwei bis vier Siegpunkte. Damit diese sich aber lohnen, muss man andernorts erst für die entsprechende Gebäudeart den Punktewert desselben hochschrauben.
  • Und schließlich gibt es eine ganze Reihe weiterer Einsetzfelder auf dem Spielplan, die verschiedenste andere Möglichkeiten bieten. Trotz also immer weiter steigender Arbeiterzahl, wird es nie eng.
Die Stapel mit den kaufbaren Plättchen

Zudem erhält jeder Spieler eine Kali-Statue, die in ihren zehn (bzw. acht in der Variante) Händen Platz für unsere Würfel bietet

Drei von insgesamt sechs Holzmännchen warten als unsere Arbeiter auf ihren Einsatz. Im Laufe des Spieles kann man – je nach gewählter Variante – zwei oder drei der zusätzlichen Arbeiter ins Spiel bringen und so die Anzahl der eigenen Aktionen pro Runde erhöhen. Für sie gibt es auf dem Spielplan eine Fülle von Einsatzmöglichkeiten, die in der ersten Partie noch erschlagend wirken mag. Dazu kommt, dass der Arbeiter auf fast allen Feldern zusätzlich zum auszuspielenden Arbeiter auch noch einen Würfel abgeben muss – beim Bauen sogar oft mehrere. Die aufgedruckte Symbolik ist hier aber sehr eindeutig und hilfreich. Im Laufe des Spieles ergeben sich rasch Strategien und Notwendigkeiten, die die Entscheidung erleichtern. Letztlich kommt es darauf an, seine Arbeiter und Würfel effizient einzusetzen und sowohl auf der Geld- als auch Siegpunkteleiste voranzukommen. Damit der Spieler keine der beiden siegbringenden Leisten vernachlässigt, gibt es in gewissen Abständen auf beiden Leisten Belohnungen für das erstmalige Erreichen dieser Stellen (zum Beispiel die zusätzlichen Arbeiter). Diese Belohnungen enden aber dort, wo sich beide Leisten mittig treffen. Wer also zu sehr auf eine Monokultur setzt (egal ob Geld oder Siegpunkte), wird Potenzial verschenken.

Ist man erst einmal im Fluss, spielt sich Rajas zügig. Die wichtigste Entscheidung ist immer wieder: Generiere ich lieber Geld oder Siegpunkte? Letztlich braucht man durch die gegenläufigen Leisten von beidem am besten so viel wie möglich!

Die Autoren, Inka und Markus Brand, haben in der Anleitung und beim Spielmaterial aber noch einige zusätzliche Schmankerl auf Lager. Neben einer optionalen Regel, die erfahrene Spieler gegenüber Neulingen ganz leicht schlechter stellen soll, gibt es aber auch noch einige echte Varianten, bei der man zwar nur 8 anstatt der sonst üblichen 10 Würfel lagern kann, aber im Gegenzug auch den sechsten Arbeiter erspielen darf.  Noch wichtiger an dieser Variante ist allerdings, dass Spieler mit weniger Arbeitern regelmäßig Entschädigungen erhalten. So sinkt die Gefahr, dass das Spiel auf ein reines Steigern der Arbeiterzahl reduziert wird. Hierzu kommen zusätzliche Belohnungsplättchen ins Spiel, mit denen man die Belohnungen für das Wegenetz überbauen bzw. verbessern kann.

Wem das immer noch nicht reicht, der findet als weiteres Spielmaterial Plättchen, die man zufällig über die bestehenden Flussbelohnungen legen kann und sorgt so für mehr Abwechslung im Spiel.

Fazit

Rajas of the Ganges kann trotz beachtlicher Spieltiefe zügig gespielt werden. Die auf der Schachtel angegebene Mindestspieldauer von 45 Minuten ist realistisch und die maximalen 75 Minuten sind eher mit Neulingen nötig. Die unterschiedlichen Mechanismen erlauben verschiedenste Strategien, die man aber aufgrund der Konkurrenz oder der Würfel öfters anpassen muss. Die Würfel sind zwar stets präsent, aber nie allzu dominant. Alle Würfelzahlen ungefähr gleichwertig und im Notfall kann man Würfel auch auf die gegenüberliegende Seite „flippen“ oder gegen zwei neuzuwerfende Würfel anderer Farbe eintauschen. Zwar neigt mancher dazu, stets über die Würfel zu schimpfen, aber letztlich sind sie hier eher wegweisend denn sieg- oder niederlagenbringend.

Durch die zusätzlichen Spielmaterialien und Varianten wird Rajas of the Ganges richtig rund und macht auch nach etlichen Partien noch Spaß.

Spielerezension: Mit Frogriders Solitair spielen

Die knallbunte Froschparade

Frogriders stammt aus dem Hause Eggert-Spiele und ist mit knallbunter Grafik, niedlichem Thema und nur geringer Komplexität ganz offensichtlich als Familienspiel positioniert. Ebenso offensichtlich ist die Abstammung vom klassischen Solitair-Spiel, bei dem man alleine ein kreuzförmiges Brett möglichst weit leert, indem man mit einem Stein einen Nachbarstein überspringt und den übersprungenen Stein entfernt.

Aber bis auf die Hüpfmechanik ist vom Klassiker nicht viel übrig geblieben. Die wichtigste Ergänzung ist natürlich die Mehrspielertauglichkeit. So können nun zwischen 2-4 Spieler die Frösche hüpfen lassen. Zudem versucht man nun nicht mehr das Spielfeld zu leeren sondern jeder Spieler hüpft nur deshalb, um die eigene Punktzahl zu maximieren und schließlich mit der höchsten Punktzahl zu gewinnen.

Auf dem Spielfeld tummeln sich Frösche in vier verschiedenen Farben: Blau, rot, gelb und braun. Jeder vom Spieler überhüpfte – und damit eingesammelte – Frosch verspricht dem Spieler einen anderen Vorteil. Drei der Farben gewähren diesen Vorteil erst, wenn man nach seiner Hüpfaktion einen seiner Frösche abgibt.

  • Brauner Frosch: Dieser verbleibt im Besitz des Spielers und bringt am Spielende einfach einen Siegpunkt.
  • Roter Frosch: Gibt man diesen ab, darf man erneut mit einem beliebigen Frosch hüpfen und einen anderen Frosch ergattern.
  • Blauer Frosch: Durch Abgabe eines blauen Froschs kann man sich eine der ausliegenden Prestigekarten sichern. Diese gewähren Vorteile in Form von Siegpunkten oder Spezialfähigkeiten.
  • Gelber Frosch: Schickt man einen gelben Frosch in die Wüste, darf man einen anderen zuvor von einem Spieler entsorgten Frosch in seinen Vorrat nehmen.

    Frösche und was sie so tun können

Um die bisher eher taktischen Elemente um ein strategisches Element zu erweitern, wurden zusätzlich noch Auftragskarten hinzugefügt. Zwei zufällige Auftragskarten liegen offen aus und können von jedem Spieler erfüllt werden. Zwei weiter Auftragskarten erhält jeder Spieler verdeckt auf die Hand und sucht sich eine davon aus. Die andere wirft er ab.

Aus der Kombination der zwei offenen und der eigenen Auftragskarte ergibt sich womöglich eine Marschrichtung (oder eher Hüpfrichtung) in Form einer Strategie. Die meisten Auftragskarten belohnen das Sammeln bestimmter Froschfarben. So muss der Spieler bei jedem Zug überlegen, ob er einen Frosch behält, um ihn für eine Auftragskarte zu verwenden oder den Frosch ausgibt, um dessen Vorteil zu erhalten.

Insbesondere bei blauen Fröschen fällt diese Entscheidung besonders schwer, weil etliche der Prestigekarten immense Vorteile bringen. Es gibt gleich eine ganze Reihe unterschiedlicher Prestigekarten. Einige bringen recht viele Punkte, andere erlauben flexibleres Hüpfen bzw. Einsammeln der Frösche und noch andere geben einem virtuelle Zusatzfrösche, die in der Wertung von Vorteil sind.

Die überproportional hohe Stärke der Prestigekarten führt häufig dazu, dass sich die Spieler zu Beginn auf die Prestigekarten stürzen und die anderen Froscharten erst einmal vernachlässigt werden. Das ist aber kein ehernes Gesetz, weil die Konstellation der Auftragskarten gelegentlich dann eben doch eine andere Route vorgibt.

Das lustige Fröschesammeln endet, sobald ein Spieler an der Reihe ist und keinen Zug mehr machen kann. Dies führt dazu, dass es von Vorteil ist, Startspieler zu sein, weil man häufig einen Zug mehr machen kann, als zum Beispiel der letzte Spieler.

Eine weitere Unausgewogenheit ergibt sich aus der teils sehr stark abweichenden Qualität der persönlichen Auftragskarten. Erhält man selbst zwei schwache Karten, ist man entweder den offenen Auftragskarten oder den Prestigekarten verpflichtet und verliert an Flexibilität.

Bei einem Familienspiel sind solche Unausgewogenheiten zu verschmerzen, schließlich sollen ja auch die jüngeren Sprösslinge eine Siegchance haben. Im Turnier hingegen ist dies eher problematisch.

Nichtsdestotrotz verspricht Frogriders kurzweiligen Spaß ohne lange Wartezeiten. Der Einstieg fällt leicht und trotzdem lässt sich taktisch und strategisch einiges machen.

Ankündigung: Imhotep kommt in die Brettspielwelt

Übermorgen erscheint mit Imhotep von Kosmos das nächste Spiele-Highlight in der Brettspielwelt. Was euch erwartet, erfahrt ihr in dieser Rezension.

Imhotep am Tisch
So sieht Imhotep am Tisch aus

Imhotep entführt uns ins alte Ägypten und bis zu vier Spieler bauen Gebilde, die irgendwann in der Zukunft einmal antik sein sollen. Auch in der Brettspielwelt können findige Bauherren bald Gebäude für die Ewigkeit bauen.

Hierzu müssen Steine aus dem Steinbruch beschafft werden, einer dieser eigenen Steine auf eines von vier Schiffen geladen werden oder eines der Schiffe zu einem von fünf Orten geschickt werden.

Auf den Schiffen sind zwischen 1 bis 4 Plätze für die markanten Steinwürfel frei. Am Zielort lösen die Steine dann Aktionen aus. Hier ist allerdings häufig die Reihenfolge der Steine an Bord relevant. Denn stets wird der vorderste Stein zuerst ins Ziel gebracht. Wer jetzt allerdings denkt, dass vorne immer am Besten ist, der irrt.

Die fünf Orte

Auf dem Markt erhält man für seinen Stein eine Karte. Diese bringen auf unterschiedliche Weise Vorteile bzw. Punkte und schwanken deutlich in der Qualität.

Im Tempel wird aus den dort vorhandenen Steinen Schicht für Schicht eine Tempelmauer gebaut. Die jeweils oben liegenden fünf Steine bringen dem jeweiligen Besitzer am Ende der sechs Runden Vorteile bzw. Punkte.

Im Grabmal werden zeilenweise 3er-Reihen aus Steinen gebildet. Am Spielende erhält man Punkte abhängig von den Flächengrößen eigener Steine.

Die Pyramide wird schichtweise gebaut und jeder Stein bringt entsprechend seiner Position 1 bis 4 Punkte.

Im Obelisk bildet jeder Spieler aus seinen Steinen einen Turm/Obelisken. Der Spieler mit dem höchsten Turm erhält die meisten Punkte und jeder darauffolgende Spieler etwas weniger.

Aus diesen unterschiedlichen Mechanismen ergibt sich ein Gerangel um gute Plätze auf den Booten in der Hoffnung, dass diese einem gute Positionen auf den Bauplätzen bescheren.

Interaktion – Mit oder Gegeneinander?

Allerdings gibt es da ein kleines Problem in Form der Mitspieler. Schließlich will jeder seine eigenen Steine zu den Optimalpositionen bringen. Dies geschieht entweder, indem ein Konkurrent sein Lieblingsschiff an den beliebtesten Ort schippern lässt oder gar ein ihm nicht genehmes Schiff zu einem Ort fahren lässt, dessen Sex-Appeal gerade nicht ganz so hell strahlt.

Im Extremfall kann man sogar ein Schiff ohne eigenen Stein auf die Reise schicken. Hierfür opfert man zwar seine komplette Aktion, aber wenn der Schaden nur allzu groß ist, kann die Schadenfreude ein großer Motivator sein.

In jeder einzelnen Aktion muss sich ein Spieler also fragen, ob er konstruktiv einen eigenen Stein auf ein Boot bringen will, ein (zum Teil) selbst besetztes Boot konstruktiv an den Ort seiner Träume schicken will oder ob er destruktiv die Pläne der Mitspieler stören möchte, indem er ein fremdes Boot auf die Reise bringt.

Durch die fünf verschiedenen Orte und zusätzlich sogar noch fünf Alternativpläne jeweils auf den Rückseiten der Orte entstehen so vielfältige Situationen, die wohl durchdacht sein wollen.

Sehr viel Interaktion

Manchmal ist die hohe Interaktion aber ebenso Fluch wie Segen. Was auf der einen Seite zu abwechslungsreichem Spaß führt und keine Monotonie aufkommen lässt, führt auf der anderer Seite zu manchmal nur geringer Steuerbarkeit des Spiels. Insbesondere bei destruktiver Spielweise der Mitspieler halten Pläne häufig kaum bis zur nächsten eigenen Aktion durch. Hier ist also eine Einschätzung der Mitspieler enorm wichtig.

So sieht es in der BSW aus
So sieht es in der BSW aus

Fazit

Imhotep macht viel Spaß und ist kurzweilig. Wer Abneigung gegen destruktive Züge hat, sollte das Spiel meiden oder die Mitspieler mit Bedacht wählen. Imhotep wurde zum Spiel des Jahres nominiert und ist würdiger Kandidat für diesen prestigeträchtigen Preis.

Rezension Quadropolis

In Quadropolis von Asmodee bauen vier Baumeister auf ihren eigenen Plänen ihre persönliche Traumstadt. Das quietschbunte, futuristische Design lässt leicht den Eindruck aufkommen, dass es sich hier um ein Kinder- oder Spaßspiel handelt – aber weit gefehlt. Quadropolis ist ein knallhartes Strategiespiel, in dem man ohne konkreten Plan gegen pfiffige Gegner kaum eine Chance haben wird. Damit der Einstieg nicht zu schwierig wird, gibt es allerdings eine reduzierte Anfängervariante, von der man sich aus zur „Profiregel“ hochspielen kann.

Die Zugmechanik ist eigentlich ganz einfach: man wählt einen der offenausliegenden Architekten. Diese verfügen über eine Zahl zwischen 1-5. Je nach gewählter Zahl darf man von einem offenen Plan an Gebäudeplättchen entweder in der Spalte oder Zeile mit der entsprechenden Nummer das dort liegende Plättchen an sich nehmen.

Jede der im Spiel vorhandenen Plättchenarten hat allerdings eigene Wertungsarten, Bauarten und Funktionen. Meist wird der Spieler also ein ganz bestimmtes Plättchen haben wollen. Der Clou an der Sache ist, dass die zuvor verwendete Architektenzahl auch beeinflusst, wohin man das Plättchen legen darf, sodass eventuell das richtige Plättchen ausliegen könnte, man es aber nicht sinnvoll anlegen kann. Hier ist also Improvisation gefragt.

Nach einer festgelegten Anzahl Runden endet das Spiel und die Wertung beginnt. Jetzt müssen Gebäude mit Arbeitern und Energie versorgt werden – allerdings darf man von diesen auch nicht zu viel haben, sonst gibt es Punktabzüge. Pluspunkte bekommt man hingegen durch die Kombination der vielfältigen Punkteplättchen.

Interessant ist auch, dass manche Plättchen gestapelt werden können. Man hat also die Wahl zwischen dem Bau von Türmen oder sich auf dem Spielplan breit zu machen. Natürlich wird es häufig auf eine Mischung darauf hinauslaufen.

Da das Spiel sehr mathematisch entworfen ist, ergibt sich daraus naturgemäß auch einen optimalen Aufbau der eigenen Stadt – quasi eine optimale Lösung. Dies wäre eine eklatante Schwäche, wenn man diese Lösung zuverlässig reproduzieren könnte. Das ist zum Glück nicht der Fall. Schließlich konkurrieren die Spieler um die gleichen Plättchen und sind den gleichen Timing-Zwängen unterworfen. Es gewinnt der, der innerhalb seines Planes am besten improvisieren kann. Denn ohne Improvisation scheitert selbst der beste Plan mit Pauken und Trompeten.

Doch trotz aller Farbvielfalt und der hohen Interaktion sollten potenzielle Spieler sich bewusst sein, dass Quadropolis recht abstrakt ist und für Spaßspieler auch anstrengend sein kann.  Wer hingegen knallhart planen und anschließend seine Pläne immer wieder an die Gegebenheiten anpassen will, der wird mit Quadropolis sicherlich Spaß haben.

Rezension: Cacao mit Sahnehäubchen

Cacao-VerpackungAls besonderer Liebhaber des gleichnamigen Getränks reizte es mich  natürlich besonders, einen genaueren Blick auf Cacao von AbacusSpiele zu werfen. Cacao ist ein Familienspiel für 2-4 Personen. Als Legespiel erinnert es auf den ersten Blick an den Klassiker Carcassonne, aber das ändert sich trotz der quadratischen Plättchen und der identischen Pöppel doch sehr schnell.

Kernelement ist der Anbau von Kakaopflanzen und dennoch ist dieser nur Mittel zum Zweck. Denn zum Sieger wird der gekürt, der am Spielende das meiste Geld gesammelt hat. Da dieses nicht ausgegeben werden kann, entspricht es somit den klassischen Siegpunkten.

Allerdings ist der Kakao-Anbau nicht der einzige Weg, an die beliebte Währung zu gelangen. Gleich ein ganzes Wegenetz tut sich auf und Aufgabe des Spielers ist letztlich, die richtige Kombination zu finden, um die Mitspieler in die Schranken zu weisen.

Jeder Spieler besitzt einen verdeckten Stapel Arbeiterplättchen, von denen er stets drei zur Auswahl hat. Eines davon legt er an die bereits Cacao-Arbeiterplättchenausliegenden Urwaldplättchen an. Zu Beginn des Spiels liegen bereits zwei Urwaldplättchen aus. Entsteht durch ein neu gelegtes Arbeiterplättchen eine freie Stelle, an die zwei Arbeiterplättchen angrenzen, sucht der Spieler eines von zwei bereit liegenden Urwaldplättchen aus und füllt damit die Lücke. So wächst der Spielplan immer weiter.

Der Sinn der Arbeiterplättchen ist einfach. Auf jedem dieser Plättchen befinden sich vier Arbeiter in Spielerfarbe. Diese sind auf zwei bis vier der Seiten verteilt. Sobald Arbeiter erstmalig an einem Landschaftsplättchen anliegen, gehen sie einmalig an die Arbeit und verschaffen dem Spieler so Vorteile. Befinden sich an einer Seite mehrere Arbeiter, erhält der Spieler diesen Vorteil mehrfach.

Insgesamt gibt es 28 Urwaldplättchen in 6 Arten (zuzüglich einiger Abwandlungen). Nicht alle haben mit Kakao zu tun.

PlantagenCacao-Doppelplantage

Platziert ein Spieler Arbeiter an eine der Einzel- oder Doppelplantagen bringt jeder Arbeiter eine oder zwei Kakaobohnen. Aber Achtung, von diesen kann man nur maximal fünf lagern.

Cacao-3er-MarktMärkte

An Märkten aktive Arbeiter können vorhandene Kakaobohnen verkaufen. Allerdings gibt es nur einen Markt mit einem Verkaufspreis von 4, vier Märkte mit einem Verkaufspreis von 3 und zwei eher uninteressante 2er-Märkte.

GoldgrubeCacao-2er-Goldgrube

Hier geht man für sein Gold keinen Umweg über Kakaoplantagen und Märkte, sondern erhält umgehend 1 oder 2 Punkte pro Arbeiter.

Wasser

Jeder Spieler hat auf seinem Dorftableau Cacao-Wassereine Punkteskala von -10 bis +16. Zu Beginn startet jeder Spieler auf -10. Sobald ein Arbeiter an einem der drei Wasserplättchen werkelt, geht der Zähler um eine Station in Richtung der 16 Punkte vor. Insgesamt sind hierfür 8 Schritte erforderlich, wobei die ersten und letzten Schritte jeweils am lukrativsten sind.

TempelCacao-Tempel

Tempel sind die einzigen Plättchen ohne sofortigen Effekt. Erst am Spielende erhalten die Spieler für Arbeitermehrheiten an Tempeln 6 Punkte. Zweitplatzierte können noch 3 Punkte erlangen.

Sonnenkultstätte

Cacao endet, sobald alle Spieler alle Cacao-SonnenkultstätteArbeiterplättchen gespielt haben. Je nachdem wie die Spieler die Plättchen platzieren, können die Urwaldplättchen schon vorher ausgehen. In dem Fall können natürlich auch keine Urwaldplättchen mehr gelegt werden.

Legt ein Spieler im Laufe des Spiels Arbeiter an eine Sonnenkultstätte erhält er graue Sonnensteine. Von diesen kann er maximal drei Stück lagern.

Sobald die Urwaldplättchen aufgebraucht sind, kann man fortan die Sonnensteine abgeben, um ein eigenes Arbeiterplättchen einmalig durch ein anderes Arbeiterplättchen zu überbauen. In diesem Fall kann man die angrenzenden Urwaldfelder mit den frischen Arbeitern erneut nutzen. Sollte man die Sonnensteine partout nicht nutzen können oder wollen, sind sie jeweils noch einen Punkt wert.

Durch die Vielfalt der Plättchen und Punktequellen stellt sich mit jedem Zug erneut die Frage, welche Position gerade am attraktivsten ist und ob bzw. wie viele der Urwaldplättchen vom Vorrat ins Spiel genommen werden sollen.

Einige Plättchen sind sehr stark, wie z.B. der 4er-Markt oder die Wasserstellen, andere versucht man eher zu meiden. Immerhin ist man nicht gezwungen die Funktion eines schwachen 2erMarktes zu nutzen und so unergiebig seinen wertvollen Kakao zu verkaufen.

Bemerkenswert ist, dass die Funktionen der Arbeiter nicht nur beim Anlegen des Arbeiterplättchens ausgelöst werden sondern auch dann, wenn an ein schon ausliegendes Arbeiterplättchen ein frisches Urwaldplättchen angelegt wird. So kann es passieren, dass ein anderer Spieler an meine bisher freiliegenden Arbeiter entweder starke oder weniger starke Plättchen anlegt. Die Vorteile kommen mir auf jeden Fall zu Gute.

Dadurch dass jeder Spieler den gleichen Satz an Arbeiterplättchen hat, gibt es kein übermäßig großes Glückselement, wie es häufig ein Würfel oder ein gemeinsamer Kartenstapel darstellt.

Trotzdem sind Fortuna hier nicht völlig die Hände gebunden. Zum einen kommt einem die Reihenfolge der selbst gezogenen Arbeiterplättchen nicht immer gelegen und zum anderen führt die qualitativ recht unterschiedlich starke Urwaldplättchenauslage gelegentlich dazu, dass man sich gelegentlich wünscht, nicht gerade jetzt an der Reihenfolge zu sein.

Durch die vielfältigen Punktequellen und den maßvollen Glückseinfluss ist Cacao ein rundes und kurzweiliges Spiel. Die angegebene Spieldauer von bis zu 45 Minuten ist realistisch und fordert zum wiederholten Spielen auf. Die Regeln sind schnell erklärt und ebenso leicht verstanden, sodass Erwachsene wie Kinder ihren Spaß haben.

Einziger Wermutstropfen ist das Tiefziehteil, in dem alle Einzelteile auf den ersten Blick perfekt ihren Platz finden. Auf den zweiten Blick stellt man fest, dass nachdem die Stanzbögen nicht mehr in der Packung sind, der neu erworbene Raum der Entropie Tür und Tor öffnet, sodass dann doch alles wieder durch die Gegend purzelt. Hier empfiehlt es sich, die Stanzbögen nicht dem Recycling zu überantworten sondern in der Verpackung zu lassen.

Mir gefällt Cacao, da hier jeder auf seine Kosten kommt und Glücks- und Strategieeinfluss sich die Waage halten. Es lässt sich gut in jeder Spielerzahl (von 2 bis 4 Spieler) spielen und hat mit maximal 45 Minuten eine angenehme Länge.

Zwei kurzweilige Spiele mit Suchtfaktor

Machi Koro 
Machi Koro bedeutet „Stadt würfeln“ und ist ein kleines aber feines
4002051692322Spiel mit Tiefgang und hohem Suchtfaktor. Es macht superviel Spaß und ist superschnell erklärt:1.) Jeder Spieler beginnt mit 3 Münzen, 2 Gebäuden in seiner Stadt (Karten die man vor sich legt) und 4 „unfertigen“ Großprojekten (eigene Gebäude die man zum Gewinnen bauen muss).2.) Ist man dran, würfelt man. Wenn das Würfelergebnis auf einem eigenen Gebäude zu finden ist, wird dieses Gebäude (wie in „Die Siedler von Catan“) aktiviert, was zum Erhalt von Münzen führt. Zum Beispiel wenn man einen 2er würfelt,dann aktiviert dies meine Bäckerei und ich bekomme eine Münze.3.) Nach dem Würfeln darf man aus der Auslage ein Gebäude in seine Stadt bauen. Zum Beispiel zum Preis von einer Münze noch eine Bäckerei, um in Zukunft bei einem 2er schon 2 Münzen zu bekommen.4.) Es gewinnt der Spieler, der zuerst seine 4 Großprojekte bauen konnte.Das wars! Der Rest steht auf den Gebäuden und sorgt für den überraschend interessanten Tiefgang von Machi Koro.Es gibt vier Typen von Gebäuden:
* Blau (Industrie): werden aktiv wenn _irgendjemand_ deren Zahl würfelt
* Grün und Violett (Geschäfte und Unternehmen): werden nur aktiv wenn ich selbst deren Zahl würfle
* Rot (Cafés): werden aktiv wenn jemand _anderer_ deren Zahl würfelt (sehr fies)Jeder Spieler bastelt an seiner Kombination der richtigen Gebäude für die beste Münz-Beschaffungs-Maschine. Oder die beste Münz-Klau-Maschine. Oder die beste Gebäude-Kombinier-Maschine. Dazu gibt es 15 verschiedenen Gebäudearten (Bäckerei, Einkaufszentrum, Fernsehturm, Bauernhof, …). Und genau das macht den strategischen Tiefgang aus, den man nicht in so einer kleinen und hübschen Schachtel vermuten würde.Machi Koro ist ein geniales Spiel für 2-4 Spieler ab 8 Jahren, welches der ganzen Familie Spaß machen wird. Strategen und Glücksspieler sitzen am gleichen Tisch. Die Karten sind liebevoll in einem bunten, japanischen Comic-Stil gezeichnet. Die Münzen sind leicht zu unterscheiden.Hier ist dem Designer Masao Suganuma ein geniales Erstlingswerk gelungen welches  noch lange zum Würfeln und Bauen einladen wird.
Die genaue Spielanleitung findet ihr hier.
BeastyBar

Die Kultbar lockt. Vor der Türe wird gedrängelt Beasty-Bar-Cover_02

In Partystimmung sind Löwen, Zebras und Affen – sie alle wollen in die „Beasty Bar“. Sie haben sich fein herausgeputzt, kommen im Smoking oder tragen ihr bestes Hawaiihemd. Aber für alle heißt es: hinten anstellen. Daher wird gedrängelt. Jedes Tier mit seiner ganz eigenen charakteristischen Stärke: So können etwa Kängurus andere Tiere überspringen, Affen rotten sich zusammen, Robben vertauschen Ein- und Ausgang, während sich Krokodile bis zum Einlass „durchfressen“. Und Chamäleons nehmen die Charaktereigenschaft anderer Tiere an.

Witzig illustriert und mit taktischen Elementen gespickt, ist „Beasty Bar“ von Zoch ein schönes Spielerlebnis. Ziel der Spieler ist es, möglichst viele der zwölf Tiere in die Beasty Bar zu bringen. Dazu wägen die Spieler ab, wann der jeweils günstigste Zeitpunkt ist, bestimmte Tiere in die Warteschlange vor dem Bareinlass einzureihen. Ist die Zahl der Wartenden auf fünf Tiere angewachsen, gelangen die ersten beiden Tiere durch das „Heaven’s Gate“ in die Bar, und das am Ende der Schlange stehende Tier wird nach Hause geschickt.

„Beasty Bar“ ist ein kleines gemeines Kartenspiel für Familien bei dem man so manche tierischen Charaktereigenschaften bei sich selbst erkennen kann. Autor ist Stefan Kloß. Geeignet für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren. Dauer: zirka 20 Minuten. Illustration: Alexander Jung.

Eine genaue Spielanleitung findet ihr hier.

Helios – Ewig kreist die Sonne

Helios PackshotNach einigen Berichten über Spiele in historischen Szenarien, kommt heute ein Spiel auf den Tisch, das in einer Fantasy-Welt spielt: Helios!

Jeder Spieler verfügt über einen eigenen Spielplan, auf dem er seine Landfläche ausbaut. Auf diesen Landplättchen können entweder Rohstoffe geerntet werden oder Tempel, zwecks Generierung von Punkten, gebaut werden. Mit den Rohstoffen zahlt man entweder den Bau der Tempel oder Gebäude, die sich außerhalb des Plans befinden und verschiedene Verbesserungen bringen.

Das klingt alles erst einmal sehr gewöhnlich und Helios ist letztlich ein Spiel, in dem im Laufe der Partie erst einmal die Wirtschaft aufgebaut werden muss. Besonders wird Helios durch die Möglichkeit, die Sonne zu bewegen. Je nach bisheriger Spielweise hat die Sonne eine bestimmte Reichweite und kreist um die eigene Landfläche. Dort, wo sie stehen bleibt, bescheint sie alle Landplättchen und Tempel. Erstere erhalten einen Rohstoff der dem Land entsprechenden Art und letztere generieren Punkte.

Doch wenden wir uns erstmal dem Spielablauf zu, damit du einen besseren Überblick erhältst. Abhängig von der Spielerzahl werden unterschiedlich viele Runden gespielt (16 oder 18). Ist ein Spieler an der Reihe, nimmt er sich zuerst eines von drei unterschiedlichen Aktionsplättchen. Dieses erlaubt ihm die auf dem Plättchen abgebildete Aktion. Zu Beginn liegen von jeder der drei Sorten jeweils sechs Plättchen aus. Sollten eine Sorte aufgebraucht sein, ist diese Aktion für die Spieler nicht mehr auswählbar. Diese Aktionsplättchen gibt es in drei Farben (plus Jokerfarbe Weiß). Sobald ein Spieler vier farbgleiche Aktionsplättchen gesammelt hat, erhält er einen Bonuszug, der auch von einer Sorte sein darf, von der es keine Aktionsplättchen mehr gibt. Bei 16 Runden kann man so also bis zu 4 Bonusaktionen ergattern.

Folgende Aktionen bzw. Aktionsplättchen gibt es:

  1. Landplättchen legen: hiermit erweitert man seine Landfläche. Je nach Farbe des Plättchens erhält man darauf einen anderen Rohstoff, sobald er von der Sonne beschienen wird. Alternativ gibt es auch einige Sonderplättchen, auf denen keine Rohstoffe geerntet werden, die aber am Spielende Punkte bringen.
  2. Sonne bewegen: Man bewegt die Sonne im Uhrzeigersinn entlang der eigenen Landfläche. Zu Beginn hat man eine Reichweite von 2 Feldern – die maximale Reichweite beträgt 14 Felder. Erreicht oder überschreitet man die obere/nördliche Stelle seiner Insel erhält man fünf Punkte.
  3. Bauen: Entweder baut man einen Tempel auf einem seiner Landplättchen (kostet so viele Rohstoffe, wie man anschließend Tempel besitzt) oder man baut auf seinem Gebäude-Tableau ein Gebäude (kostet zwischen 1-3 Rohstoffe).

Sobald jeder Spieler eine bestimmte Anzahl Aktionen durchgeführt hat, endet dieser Durchgang und es besteht die Möglichkeit, Personen zu erstehen. Diese müssen mit Mana (von mir auch liebevoll „Rote Grütze“ genannt) bezahlt werden. Mana erhält man entweder durch Tempelbau, Platzieren von Landplättchen an bestimmten Positionen oder durch den Bau bestimmter Gebäude. Schließlich müssen diese Personen noch mithilfe von drei Rohstoffen aktiviert werden. Erst dann sind sie aktiv und ihre Vorteile kommen zum Tragen. Alle Personen bringen Punkte für verschiedene Dinge und einige noch zusätzliche Boni während des Spiels.

Nach der Personenphase werden alle verbleibenden Aktionsplättchen entfernt und neue ausgelegt. Anschließend beginnt der nächste Durchgang.

Aus diesen, und einigen noch nicht erwähnten Faktoren, ergibt sich ein strategisches Spiel mit verschiedensten Strategien. Für jede Strategie gibt es Gebäude oder Personen, die verstärkend wirken und diese so konkurrenzfähig machen. Umgekehrt basiert jede Strategie auf einer bestimmten Kombination, Reihenfolge oder Menge bestimmter Aktionen (Land nehmen, bauen, Sonne laufen lassen). Hieraus folgt die Interaktion zwischen den Spielern. Nehmen mir die anderen Spieler meine Aktionen weg, muss ich improvisieren und suboptimale Züge machen oder gar auf eine andere Strategie umschwenken.

Ich habe Helios durch die deutsche Mannschaftsmeisterschaft kennengelernt und es kristallierten sich einige mutmaßlich „optimale“ Strategien und Spielweisen heraus. Auf der DM wurden wir eines besseren belehrt und erfuhren von verschiedensten Strategien, die richtig ausgeführt zum Sieg führten.

Exemplarisch möchte ich einige mögliche Strategien aufzeigen, um die Vielseitigkeit von Helios zu demonstrieren:

  1. Kleine SonnenumrundungMan baut eine übersichtliche Landfläche mit mehreren Tempeln (z.B. in Sternform mit drei Strahlen). Die Tempel liegen alle so, dass sie benachbart zu zwei/drei „Sweet Spots“ sind. Mit relativ geringer Sonnenreichweite springt man von einer Lücke zur nächsten und holt so viele Sonnenpunkte. Immer wenn die Sonne am nördlichen Zipfel ankommt, nimmt man die 5 (oder mit dem Gebäude Wachturm sogar 10) Punkte mit.
  2. Unendliche SonnenumrundungMan baut eine ausladende Landfläche mit zwei Sweet Spots und vielen Tempeln. Dank dem Gebäude Kraftwerk hat man unendliche Sonnenreichweite und erreicht so garantiert die Einsprungpunkte für Punkte und Rohstoffe. Allerdings erhält man so keine Punkte mehr für das Erreichen der nördlichen Spitze.
  3. TempelbergMan baut 8 oder 9 Tempel. Für jeden Tempelbau erhält man Mana. Gewöhnlich ist 1 Mana am Spielende 1 Siegpunkt wert. Aber mit der Person Schatzmeister sind sie jeweils 3 Punkte wert. Verstärken kann man diese Strategie mit zwei Sonderplättchen, die am Spielende 4 Punkte pro umliegendem (und daraufstehendem) Tempel bringen.
  4. LandmasseMan baut das gesamte Tableau mit Landplättchen voll und engagiert die Person Prophetin, die pro Landplättchen 2 Punkte bringt. Verstärkt wird diese Strategie durch Sonderplättchen, die 2 Punkte pro Nachbarplättchen (plus sich selbst) bringen.

Wie man sieht, gibt es verschiedenste Strategien. Viele Gebäude, Personen und sogar Sonderplättchen habe ich bewusst ausgelassen, weil dies sonst den Rahmen der Rezension sprengen würde. Mit genug Kreativität lassen sich mit Sicherheit mehr Strategien finden oder interessante Mischformen kreieren. Dank der Interaktion wird man immer gezwungen sein, zu improvisieren oder seine Strategie anzupassen. Gerade wenn man eine feste Strategie fahren will, kann dies aber anstrengend werden. Es gibt viel zu beachten und häufig ist man versucht, vorherzuberechnen, welche Aktionsplättchen die anderen Spieler nehmen werden. Hier kann ein grübellustiger Mitspieler zur Spiel- und somit Spaßbremse werden. Ohne diesen Anspruch ist das Spiel kurzweilig und sogar zu viert in unter einer Stunde spielbar. Mir persönlich haben gerade die lockeren Runden viel Spaß gemacht.

Eine negative Kritik habe ich aber doch anzubringen. Im Optimalfall holt man mit seinen 16 Aktionen 4 Bonusaktionen. Dies klappt allerdings meist nur für 1 oder 2 Spieler am Tisch. Leider können am Ende Aktionen sehr punkteträchtig sein. Wer hier also pfiffig genug ist und das nötige Glück hat, wird mit diesen zusätzlichen Punkten am Ende die Nase vorn haben. Wer weniger Glück hatte und nur 3 (oder gar 2) Bonusaktionen schafft, wird das Nachsehen haben. Für mich beeinträchtigt dieser finale Glückseinfluss in einem so strategischen Spiel den Spielspaß doch merklich. Als Turnierspiel disqualifiziert sich Helios so aber erst recht.

Wer nach strategischer Kost sucht, die nicht zu lange dauert, findet mit Helios einen würdigen Kandidaten. Und meine persönliche Empfehlung lautet: probiere immer mal wieder eine andere Strategie aus!

Möge die Sonne mit euch sein!

Rezension: Istanbul

Istanbul-Packshot
© Pegasus Spiele

Spiele nach Städten zu benennen, scheint irgendwie in zu sein. Dieses Mal hat es die Metropole am Bosporus erwischt: Istanbul.

Heute steht Istanbul für die Vereinigung von alter Kultur (sowohl christlicher als auch muslimischer) und moderner Welt mit gläsernen Bürotürmen. Doch Rüdiger Dorn entführt uns – wenig überraschend – in die Vergangenheit und folglich müssen wir ohne Hochhäuser und andere moderne Errungenschaften auskommen. Stattdessen sind wir orientalische Händler, die mit ihren Handkarren durch das orientalische Basarviertel laufen und lukrativen Geschäften auf der Spur sind.

Die bis zu fünf Spieler können vier verschiedene Waren abholen, diese andernorts verkaufen oder direkt beim Sultanspalast abliefern und die vielen anderen Ortsplättchen nutzen. Ziel ist das Erlangen von fünf Rubinen, die (zumindest bei mindestens drei Spielern) den Sieg bringen.

Allerdings liegt die Tücke im Detail bzw. eigentlich in zwei Details: Zum einen ist der Handkarren anfangs recht klein und fasst somit nur wenige Waren. Dieser kann aber im Laufe des Spiels im Tausch gegen bare Münze mehrfach vergrößert werden. Zum anderen ist der Händler lauffaul und ohne Gehilfen (oder sollte man sagen Geh-Hilfen?) kann man zwar von einem Ort zum anderen gelangen, darf aber dann die Aktion am Zielort nicht ausführen.
Wie läuft denn nun der Hase bzw. Händler?

Istanbul aufgebaut
© Pegasus Spiele

Zu Beginn starten alle Spieler mit ihrem Händler und vier Gehilfen am Brunnen. Von dort dürfen sie mitsamt aller eigenen Gehilfen bis zu zwei Felder weit laufen. Am Zielort trennt sich die Spreu vom Weizen bzw. der Händler von einem der Gehilfen. Sobald dies erfolgt ist, kann er aktiv werden und den Ort nutzen. Zum Glück kann man seine Gehilfen aber auch wieder einsammeln. Betritt der Spieler ein Feld, auf dem bereits ein eigener Gehilfe herumlungert, wird kein weiterer abgeworfen (wie die Untertassensektion der Enterprise) sondern stattdessen wieder in den Stapel der Gehilfen eingebunden. Sollte das Einsammeln partout mal nicht klappen, kann man auch wieder zum Brunnen zurückkehren und beliebig viele Gehilfen vom Spielplan einsammeln. Aber mal ehrlich: das riecht doch gewaltig nach „setze eine Runde aus“. Folglich versucht man dies zu vermeiden und macht es Hänsel und Gretel gleich und folgt der eigenen Brotkrumen/Gehilfenspur.

Um an die benötigten fünf Rubine zu gelangen, gibt es gleich eine ganze Reihe Wege. Die zwei prominentesten Wege sind der Edelsteinhändler und der Sultanspalast. Beim ersteren gibt man 12 Lira ab und erhält einen Rubin. Dummerweise steigt der Preis jedes Mal um 1 Lira. Beim Sultanspalast hingegen gibt man für den ersehnten Rubin eine bestimmte Kombination von vier Waren ab. Auch hier steigt der Preis von Mal zu Mal. Allerdings ist die zusätzliche Ware deutlich mehr als 1 Lira wert, sodass hier die Preissteigerung deutlich höher ist.

Bis zu drei der begehrten Rubine kann man sich allerdings auch andernorts besorgen. In den zwei Moscheen erhält man gegen Abgabe eines bestimmten Rohstoffs jeweils eines von zwei Moschee-Plättchen. Allerdings muss man nicht nur diesen einen Rohstoff haben sondern gleich zwei davon besitzen (und wer später kommt sogar noch mehr). Dafür geben diese vier Moschee-Plättchen allerdings spannende Permanentboni, die einem das Leben im Basar deutlich vereinfachen. Hat man in einer Moschee beide Arten von Plättchen abgeholt, wird dies mit einem Edelstein versüßt.

Die letzte Chance auf einen Edelstein bietet die Wagnerei. Hier kann man für sieben Geld seine Handkarrenkapazität vergrößern. Macht man dies dreimal hat man nicht nur Platz für richtig viele Waren sondern gleich auch den nächsten Edelstein im Sack bzw. Karren. Da man allerdings nie mehr als eine Handkarrenerweiterung auf einmal erstehen kann und auch nicht ohne weiteres im nächsten Zug einfach auf dem Feld stehen bleiben darf, ist der Weg zum vollausgebauten Handkarren nicht nur steinig sondern auch zeitaufwändig.

Das nötige Kleingeld für die Handkarrenerweiterung und den Edelsteinhändler erlangt man am leichtesten auf den zwei Märkten. Hier gibt man bis zu fünf (bestimmte und wechselnde) Waren ab und erhält im Gegenzug bis zu 25 Lira. Damit lässt sich schon etwas anfangen. Zuvor muss man aber natürlich erst einmal Waren einsammeln. Für drei der vier Waren gibt es Felder, an denen man einfach die entsprechende Ware auf den Maximalwert stellt (anfangs zwei Waren pro Art). Dies ist natürlich mit ausgebautem Handkarren deutlich attraktiver als mit dem anfänglichen Trabbi-Modell.

Das Problemkind ist die blaue Ware (Schmuck). Für die gibt es nämlich kein „stell-mich-auf-Max“-Feld. Stattdessen gibt es den Schwarzmarkt, bei dem man auf sein Würfelglück angewiesen ist. Bei zwei Würfeln erhält man ab einer 7 zumindest eine blaue Ware, ab einer 9 dann zwei und ab einer 11 gar drei blaue Waren – wenn man denn genug Platz hat. Zusätzlich erhält man noch eine beliebige andere Ware. Das Feld macht allerdings deutlich mehr Spaß, wenn die Würfel gute Laune haben.

Ähnlich sieht es in der Teestube aus. Hier sagt man eine Zahl zwischen 3-12 an und wenn sie Summe der beiden Würfel die Ansage erreicht oder übersteigt, erhält man Lira in Höhe der angesagten Zahl. Hier lässt sich das Würfelglück zumindest durch Tiefstapelei begrenzen (allerdings natürlich auch der Gewinn). Scheitert man, erhält man zumindest ein kleines Trostpflaster von zwei Lira.

Im Postamt erhält man völlig ohne Glückseinfluss eine geringe Menge Geld (zwischen 2 bis 4) und stets zwei unterschiedliche Waren.

Schließlich gibt es noch die Polizeiwache. Hier sitzt von jedem Spieler ein Familienmitglied ein. „Befreit“ man es durch einen Besuch dieses Ortes, kann man dieses Familienmitglied an einen beliebigen Ort schicken, um die dortige Aktion auszuführen. Hierbei kann man die übliche Reichweite von maximal zwei Feldern getrost ignorieren. Allerdings verbleibt das kriminelle Familienmitglied dort, bis ein anderer Spieler diesen Ort aufsucht und es gegen eine Belohnung (drei Lira oder eine Bonuskarte) verpfeift und so in den Knast zurückschickt. Erst dann ist das Familienmitglied wieder einsatzbereit. Eine Bonuskarte erlaubt sogar das verpfeifen des eigenen Familienmitglieds … aber das würden wir doch nicht tun, oder?

Fazit
Istanbul ist ein stimmungsvolles Routenplanerspiel. Wer die perfekte Route findet und ihr konsequent folgt, hat gute Siegchancen. Gerade beim zufälligen Auslegen der Orte läuft jede Partie anders und es ist für Abwechslung gesorgt. Es gibt aber noch weitere Spielelemente, die dafür sorgen, dass entweder Pläne nicht aufgehen oder freiwillig davon abgewichen wird. So muss man zum Beispiel fremden Kaufleuten bei Betreten eines Feldes 2 Lira zahlen. Oder trifft man auf die Figuren Gouverneur oder Schmuggler erhält man eine Belohnung. Diese Elemente führen auch zu ausreichend Interaktion mit den Mitspielern. Auch die einmalig verwendbaren Bonuskarten führen zu Überraschungen und Variationen.

Istanbul ist kurzweilig und kommt in vielen Runden gut an. Für meinen Geschmack sind die zwei Würfelaktionen (Teestube und Schwarzmarkt) etwas unpassend für das ansonsten eher strategische Spiel. Allerdings kann man dem Würfelglück mit Hilfe eines der vier Moschee-Plättchen etwas auf die Sprünge helfen. Vorbildlich sind die Übersichtskarten, die jeder Spieler erhält, und die keine Fragen offen lassen. Auch die Grafik weiß zu gefallen.
Istanbul ist übrigens eines der drei Spiele auf der Nominierungsliste zum Kennerspiel des Jahres 2014.

Abluxxen

Ich muss gestehen, diesen Artikel habe ich geklaut :-)), aber ich fand ihn so gut, dass ich ihn euch nicht vorenthalten will.
Ich sage euch auch, wo ich ihn herhabe:

 das-spielen.de/index.php/abluxxen/

Alle paar Jahre kommen Spieleautoren auf naheliegende Ideen, die auf natürliche Art einfach sind und die doch noch unverwirklicht waren. Einfach Genial war so ein Spiel: Unwillkürlich will es jeder mit einem älteren Spiel vergleichen. Das ist doch wie, … und dann wird klar: so herkömmlich das Spiel wirkt, es ist doch völlig neu. Abluxxen gehört auch in diese Kategorie.Es gibt Karten in den Werten von 1 bis 13, jede Karte ist acht Mal vorhanden. Jeder bekommt 13 Karten, sechs weitere Karten liegen zum Nachziehen bereit. Dann geht es los: Wer am Zug ist legt beliebig viele Karten einer Zahl vor sich ab. Wenn einer keine Karten mehr hat, endet das Spiel: Abgelegte Karten sind Pluspunkte, Handkarten zählen negativ.

Revensburger vlg
Ravensburger Vlg

Soweit klingt das Spiel etwas zu einfach und wäre sogar ziemlich langweilig. Deshalb gibt es noch einen Clou: das Abluxxen. Wenn jemand höhere, aber genauso viele Karten spielt wie vor einem anderem Spieler gerade ausliegen, dann luxxt er diese Karten ab. Zuerst darf er entscheiden die Karten auf die Hand zu nehmen. Der abgeluxxte Spieler muss auf jeden Fall die gespielte Anzahl von Karten aufnehmen. Wenn ihm seine Karten nicht abgenommen wurden, dann darf er seine eigenen wieder auf die Hand nehmen oder abwerfen und neue ziehen. Sonst bleibt ihm nur die Möglichkeit neue Karten aus der offenen Ablage zu nehmen.

Die Abluxxregel klingt etwas sperrig. Sie ist auch etwas mühselig zu erklären und zu verstehen. Im Spiel fällt aber schnell der Groschen und dann ergeben sich von Partie zu Partie neue Ideen, was sich per Abluxxen alles machen lässt. Offensichtlich bremst das Abluxxen erst mal die anderen Spieler und kostet sie Punkte. Wenn aber interessante Karten in der Auslage liegen, lohnt es sich Karten abgeluxxt zu bekommen. Dann versuchen die anderen Spieler um so mehr ein Abluxxen zu verhindern.

Je mehr Karten einer Sorte ausgespielt sind, umso ärgerlicher ist es sie abgeluxxt zu bekommen. Denn dann ist es unwahrscheinlich, gute Karten nachzuziehen. Andererseits ist es gefährlich zu lange mit dem Auslegen punkteträchtiger Kombinationen zu warten, denn das Spiel kann verdammt schnell enden. So kann jede Partie völlig unterschiedlich ablaufen. Dabei gewinnt nicht unbedingt der, der das Spiel beendet. Mit etwas Geschick ist es möglich Punkte zu scheffeln und doch einige Karten auf der Hand zu halten, um das Spiel weiterlaufen zu lassen. Das ist auch notwendig, um einen Rückstand aus vorherigen Partien aufzuholen. Etwas Glück gehört zum Spiel auch dazu. Wenn jedoch die Kartenhand nicht völlig unpassend ist, lässt sich sehr viel steuern. Besonders im Spiel zu dritt ergeben sich lustige Situationen.

Bei Abluxxen müssen alle Spieler gut aufpassen, um keine Vorlagen zu vergeben. So einfach und locker das Spiel ist und so vielfältig die Ärgermöglichkeiten sind: Wenn ein Spieler nicht aufpasst, freut sich immer ein Dritter über unverdiente Optionen. Das Niveau von Abluxxen wächst mit den Spielern. Es ist möglich, einfach das Spiel zu genießen und sich beim Spiel neben offensichtlichen Zügen keine größeren Gedanken zu machen. Es ist aber auch möglich die Mitspieler zu beobachten, die Karten zu zählen und sich gegenseitig zu belauern. Dann sollte aber niemand mehr einfach so ein paar Karten ausspielen. Wie immer auch eine Spielegruppe veranlagt ist, Abluxxen kommt immer gut an.